Sommerkampagne 2016
Sommerkampagne 2016
 
 

Von Jesus lernen heißt, Menschen anzunehmen wie sie sind

Der Vortrag des bekannten Theologen Prof. Dr. Karl-Richard Essmann war einer der inhaltlichen Höhepunkte am ersten Tag der Kirchenfachmesse GLORIA in St. Pölten. Er referierte zu der kontrovers diskutierten Frage „Hilft die Kirche den Menschen leben?“
Essmann, der einen Lehrstuhl an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule (KPH) in Wien/Krems hat, verweist darauf, dass der Bedeutungsverlust der Kirche evident sei und viele sich heute ihren Glaubenscocktail selbst zusammenmischen. Er frage sich, ob die Kirche nicht auch Glaubens- und Lebenswissen verloren habe. Wohin soll man also gehen, wenn das verdunstet? Der Religionspädagoge plädiert dafür, zum Anfang der Kirche, also zur Heiligen Schrift zurückzuschauen, wo alles begonnen hat. Dabei komme es nicht darauf an, Gleichnisse einfach nur nachzuerzählen, sondern „mit dem Herzen nachzuleben“.

Der Theologe bringt die Erzählung aus dem Lukasevangelium mit dem Zöllner Zachäus. Jesus habe Zachäus nicht zurechtgewiesen, obwohl er für sich selbst zu viel Geld eingetrieben hatte. Überdies hielt Jesus Gastmahl bei Zachäus, was Empörung auslöste, weil die Gastfreundschaft eines der höchsten Güter im Judentum ist. Der Zöllner sprach selbst seine Sünden aus und dass er diese wieder gut machen wolle, indem er jenen Geld zurückgeben wolle, von denen er zu viel eingetrieben hatte . Diese Veränderung bei Zachäus sei auf das vorbehaltlose Zugehen und Annehmen durch Jesus zurückzuführen, so Essmann. Jesus habe Menschen angenommen wie sie sind - das empfiehlt Essmann auch der kirchlichen Pastoral, damit sie die Menschen unterstützen kann. Prof. Essmann: „Die Kultur des Herzens kann man bei Jesus von Anfang bis Ende spüren.“

Weiters habe es bei Jesus keine Richtersicht gegeben. Und er gibt der Kirche auch den Rat, Bräuche, Feste und Rituale zu erklären, da die kirchlichen Feiern wichtig für die Menschen seien. Gerade Jesus habe gerne gefeiert – ein Ausdruck von Lebensfreude. Kirche sei ein „Ort der Feste“. So seien bei der Feier der Erstkommunion viele wichtige Elemente enthalten, die die Menschen ganzheitlich ansprechen.

Wichtig sei, dass die Kirche ein Ort ist, der aus Hoffnungslosigkeit befreit. Und sie könne dann den Menschen helfen, wenn sie hilft, dem Evangelium zu folgen.