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Abt Wilfinger: "Stift Melk steht für lebendige und offene Kirche"

Eine "lebendige und offene Kirche" wollen die Benediktiner nach den Worten von Abt Georg Wilfinger vermitteln; sowohl in den von ihnen betreuten Pfarren, als auch in der stiftseigenen Schule, im Angebot für die jährlich Hundertausenden Touristen sowie im Sozialbereich. Wilfinger feiert dieser Tage sein zehnjähriges Abtsjubiläum, im "Kathpress"-Gespräch nahm er zu den zentralen Herausforderungen für die Melker Benediktiner in den kommenden Jahren Stellung.
920 Schüler besuchen derzeit das Melker Stiftsgymnasium, bei weitem nicht alle Interessenten könnten aufgenommen werden, bedauerte der Abt. Gerade angesichts der gegenwärtigen Schul- und Bildungsdiskussionen seien viele Eltern wohl verunsichert und würden ihre Kinder gerne einer angesehenen kirchlichen Privatschule anvertrauen. Diesem Vertrauen wolle man natürlich gerecht werden.

Nur zwei Benediktiner unterrichten noch in der Schule, der Orden versuche aber beispielsweise über Angebote wie Besinnungstage für Lehrer und Schulgottesdienste die eigene Spiritualität und das christlichen Menschenbild in den Schulalltag einfließen zu lassen. Dazu zähle auch die Einstellung einer eigenen Schulseelsorgerin bzw. Sozialarbeiterin, die für Anliegen von Schülern, Lehrern und Eltern zur Verfügung steht.

Auch die Touristen sollten neben dem kulturellen und historischen Besichtigungsprogramm mit den Benediktinern und ihrer Spiritualität in Berührung kommen, so der Abt. Mit bis zu 470.000 Besuchern pro Jahr zählt Stift Melk, das als "Wahrzeichen der Wachau" zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, zu den "Big Playern" im heimischen Tourismus. Der Erfolg stelle sich aber auch nicht von selbst ein, betonte Wilfinger. Erst vor kurzem wurden der Eingangsbereich des Stifts und der erste Hof neu gestaltet und die Nordbastei publikumsgerecht ausgebaut. Zudem stelle das bauliche Erbe auch eine große Herausforderung dar: "500 Räume, 1.365 Fenster oder zwei Hektar Dachfläche wollen auch instand gehalten bzw. immer wieder renoviert werden", so Wilfinger.

Weit verstreute Pfarren

30 Mitglieder zählt der Konvent der Benediktinerabtei Melk, rund die Hälfte davon sei in der Pfarrseelsorge tätig, so Abt Wilfinger im "Kathpress"-Gespräch. Da die Mönche 23 Pfarren zu betreuen haben, sei die Selsorge nur durch die tatkräftige Unterstützung von vielen Mitarbeitern möglich, so Wilfinger.

Auch der Abt selbst ist als Pfarrer für Großriedenthal bei Tulln zuständig. Die Pfarre werde eigentlich von einem Pastoralassisten und zwei weiteren Mitgliedern des Pfarrgemeinderats geleitet. Er selbst sei nur rund zwei Mal im Monat vor Ort. Auch der Pfarrer der Nachbargemeinde helfe mit, so Wilfinger. Die Kombination von Abt und Pfarrseelsorger passe für ihn sehr gut.

Sorgen bereitet dem Abt allerdings die Perspektive, dass in den kommenden Jahren einige Mitbrüder in Pension gehen werden. Mehr Diakone, Pastoralassistenten sowie weitere Mitarbeiter in pfarrlichen Leitungsfunktionen seien ein Gebot der Stunde, um die Pfarrseelsorger aufrechterhalten zu können.

Erschwerend kommt für das Stift hinzu, dass 20 der betreuten Pfarren nicht im Umland des Stifts, sondern weiter weg in der Erzdiözese Wien liegen. Es seien deshalb bereits Überlegungen im Laufen, inwieweit man nicht mit den Diözesen Wien und St. Pölten Pfarren tauschen könne, um die Entfernung zum Stift zu verringern.

Hilfe für rumänische Kinder

Sozial engagiert sich das Stift unter anderem für rumänische Straßenkinder. Derzeit finden 43 sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche im Rahmen des Sozialprojekts in Saniob, einem kleinen Ort in Rumänien nahe der ungarischen Grenze, Betreuung und Heimat. Hauptziel des Projekts ist die Aus- und Weiterbildung von Straßenkindern. "Saniob sei ihm zu einem Herzensanliegen geworden", so der Abt, der jeden Monat vor Ort nach dem Rechten sieht und den Kontakt zu seinen Schützlingen sucht.

Die Kinder, die im Sozialzentrum leben, stammten meist aus zerrütteten Familien, Alkoholismus, Arbeitslosigkeit und Armut seien vorherrschend, Aussicht auf ein besseres Leben gebe es zumeist nicht. Medizinische Betreuung und Schulbesuch seien für die meisten Kinder ein Fremdwort, bevor sie in das Sozialprojekt aufgenommen werden.

Das Stift kommt gemeinsam mit vielen Sponsoren und Spendern für die Gehälter von bis zu 40 Personen auf, die beispielsweise als Psychologen, Erzieher oder Haustechniker tätig sind. Die Hilfe erfolgt über den Verein "AURO-DANUBIA - Stift Melk hilft Waisenkindern in Rumänien". Weiters haben die Melker Benediktiner auch noch ein Sozialprojekt für Schulkinder im Kosovo laufen.