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Weiterhin sensationelle Funde am Domplatz

Bei den archäologischen Grabungen am Domplatz von St. Pölten kommen weiterhin sensationelle Funde zum Vorschein: Nachdem Mauern des mittelalterlichen Klosters in überraschender Lage gefunden worden waren, entdeckten die Archäologen eine rätselhafte Keramikfigur mit Dämonenkopf sowie Säuglings- und Embryonenskelette, die selten erhalten bleiben. Bürgermeister Matthias Stadler, Grabungsleiter Ronald Risy und Gerichtsmediziner Fabian Kranz präsentierten die neuen Funde im Rahmen einer Presseführung.
Die nähere Bestimmung der Klostermauern hat ergeben, dass diese zu Außenanlagen gehören und eine Latrine enthalten. "Eine Fundgrube für Archäologen, auch wenn man buchstäblich im Dreck wühlt", erklärte Risy. Neben aufschlussreichen Speiseresten fanden die Archäologen eine ca. 20 cm hohe Keramikfigur, die einen fratzenartigen Kopf trägt: "Sicher ein Unikat und das Highlight der bisherigen Grabung." Solche dämonischen Gestalten seien "typisch für das Mittelalter", wenn man etwa an die gotischen Wasserspeier an den Kirchen denke. Die Funktion der Figur gibt den Wissenschaftlern jedoch Rätsel auf: "Wahrscheinlich ein Kerzenhalter", vermutet Risy.


In den bisher freigelegten Gräbern aus dem 13. bis 15. Jahrhundert konnten insgesamt 185 Individuen identifiziert werden, wie Gerichtsmediziner Kranz berichtete. Bei den untersuchten Erwachsenen handelt es sich um 40 Frauen und 62 Männer. Die Frauen wiesen eine durchschnittliche Körperhöhe von 158 cm auf, die Männer waren im Durchschnitt um etwa 12 cm größer. Das durchschnittliche Sterbealter der Erwachsenen lag für Männer bei ca. 35 Jahren und Frauen bei ca. 30 Jahren. Der Unterschied von 5 Jahren im tatsächlichen Sterbealter zwischen St. Pöltner Frauen und Männer belege das zusätzliche Sterberisiko, welchem Frauen durch Geburt und Schwangerschaft ohne moderne medizinische Versorgung ausgesetzt waren, wie Kranz ausführte.


Skelette von Kindern, vor allem von ungeborenen Föten, Neugeborenen und Säuglingen sind archäologischen Untersuchungen meist entzogen, da ihre Knochen so dünnwandig sind, dass sie normalerweise schon in nur leicht säuerlichem Boden rasch vergehen. "In St. Pölten sind die Umstände einmal besonders günstig, da es aufgrund der Bodenbeschaffenheit rund um den Dom und der ausgezeichneten, schonenden archäologischen Ausgrabung gelang, bis dato 82 Kinderskelette zu bergen", betonte Risy. Von den insgesamt 17 Frühchen verstarb das jüngste bereits im 6. Schwangerschaftsmonat, der überwiegende Teil bei der Geburt selbst, vermutlich in der Folge nicht beherrschbarer Komplikationen. Insgesamt erlebten 55 Kinder das Alter von vier Jahren nicht, "wohl Ausdruck eines mangelnden Hygieneverständnisses und fehlender medizinischer Möglichkeiten", wie Gerichtsmediziner Kranz erklärte.


Die archäologischen Grabungen im Vorfeld der Neugestaltung des Domplatzes seien gesetzlich vorgeschrieben, betonte Bürgermeister Stadler. Andererseits bestehe auch ein Interesse an der Erforschung der Stadtgeschichte. Die Kosten für die Grabungskampagne trägt - bis auf eine geringe "Grundförderung" durch den Bund - zur Gänze die Stadt St. Pölten.