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Adventkranz
 
 

„Weihnachten sagt: Du bist nicht allein“

Bischof Klaus Küng feierte mit den Insassen der Justizanstalt Stein, mit dem Personal und Ehrengästen, unter ihnen die Kremser Bürgermeisterin Inge Rinke, am 20. Dezember einen Weihnachtsgottesdienst in der Anstaltskapelle.
In der Justizanstalt St. Pölten feierte Gefangenenhausseelsorger Prälat Josef Wansch mit den Inhaftierten und Ehrengästen anstelle des erkrankten Weihbischof Anton Leichtfried ebenfalls den Weihnachtsgottesdienst. „Jeder kann Frieden finden mit Gott, auch wenn er etwas Furchtbares getan hat“, sagte Küng und fasste für die Gefangenen die Weihnachtsbotschaft zusammen: „Weihnachten sagt: Du bist nicht alleine.“ Mit dem Bischof feierten Abt Columban Luser vom Stift Göttweig und der Rektor der Gefangenenseelsorge, Leszek Urbanowicz.


Weihnachten ist nicht einfach für Einsame


Weihnachten sei oft nicht einfach für die Einsamen und für diejenigen, die von ihren Familien und ihren lieben getrennt sind, sagte Bischof Küng. Jesus sei uns jedoch gerade in schwierigen Situationen besonders nahe, „denn er ist uns im Leiden vorangegangen“. So sei die gemeinsame Weihnachtsfeier „ein Zeichen, dass ihr nicht vergessen seid“. Dabei seien nicht nur die Strafgefangenen angesprochen, betonte Küng, sondern alle brauchten die Botschaft des Weihnachtsevangeliums. Es gelte, „Gottes Sohn in unser Leben aufzunehmen, sodass wir Hoffnung haben“, betonte Küng. Nach der Feier ging der Bischof spontan auf die Häftlinge zu, schüttelte viele Hände und wünschte ganz persönlich ein gesegnetes Weihnachtsfest.
Oberst Johann Deisenberger sagte in Vertretung von Anstaltsleiter Hofrat Christian Timm, dass Strafvollzug und Reintegration „nur durch Verzeihen gelingen können“. Rektor Urbanowicz bedankte sich bei der Katholischen Frauenbewegung der Diözese St. Pölten, die wie jedes Jahr Weihnachtspäckchen für die Insassen zusammengestellt hatte.


Geburt Christi - Sternstunde der Menschheit


Die Augen leuchten heller, wenn in den Justizanstalten die vorweihnachtliche Messe gefeiert wird. Etwas mehr Stille liegt in der Luft und in manchen steigen Erinnerungen an einstige Kindheitstage auf. „Die Geburt Christi ist die Sternstunde der Menschheit“, erklärt Gefangenenhausseelsorger Prälat Josef Wansch, der bereits zum 43. Mal in der Justizanstalt St. Pölten mit den Inhaftierten Weihnachten feiert.


Diesmal sollte Weihbischof Anton Leichtfried den Gottesdienst leiten, doch ist er kurzfristig erkrankt. Und so feiert der „alteingesessene“ Gefangenenhausseelsorger mit den Häftlingen Weihnachten. Viele kennt er bereits - und er hat tröstende Worte: „Gott hat sich die Not des Menschen nicht von Ferne angesehen, sondern ist herabgestiegen und hat selbst diese Not angenommen – als kleines Kind im Stall bis zu seinem Tod am Kreuz“. Und er ergänzt: Weihnachten sei „das Fest der Befreiung, der Rettung und Erlösung“, auch heute, in einer „korrupten und sich auflösenden Welt“. Jesus hat dagegen in den Seligpreisungen der Bergpredigt „das Programm einer Welt vorgestellt, die aus der Liebe hervorgeht“, weist Prälat Wansch hin. Über hundert Ohren folgen ihm: „Es ist eine Einladung, dem nachzugehen“, führt er aus und unterstreicht: Das Licht von Bethlehem kann jede Dunkelheit des Menschenherzens erhellen. Auch in der Einsamkeit der Haftanstalt. Er spricht jenen Mut zu, die Weihnachten diesmal zu Hause feiern dürfen und Trost jenen, die dies noch nicht können und auf ihre Entlassung noch warten müssen.


Weihnachten - eine "lebendige und deutliche Erinnerung"


Auch der evangelische Pfarrer Norbert Hantsch spricht von der Liebe Gottes, die in Weihnachten erschienen ist. Gerade das Weihnachtsfest sei eine lebendige und deutliche Erinnerung an Gott. Und er ermuntert die Inhaftierten, diese Liebe nicht unerwidert zu lassen: „Nehmen wir Christus auf und uns gegenseitig an“.
Ein Häftling hält stellvertretend für alle die Ansprache – es nennt Weihnachten als Zeit der Besinnung, über das Getane nachzudenken. Man müsse das Beste aus der Situation machen, in die man sich selbst gebracht hat. Für manche sei es das letzte Weihnachtsfest hinter Gittern, voll der Sehnsucht, wieder in der Familie zu feiern. Es folgt ein Dank an jene Beamten, die Im Häftling auch den Menschen sehen und ihm mit Würde begegnen.


Als zum Schluss der vorweihnachtlichen Feier der Chor der Pastoralen Dienste der Diözese unter Leitung von Johannes Kreuzpointner das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ anstimmte, bleiben viele Häftlinge stumm und schlucken ihre versteckten Tränen hinunter.