GlaubensFEST in Neuhofen/Ybbs
Ministranten-Sommerlager Pfarre Dorfstetten
Wallfahrt mit der ganzen Familie
 
 

Muslime unter uns

Sie leben mit uns - Menschen aus anderen Ländern, mit ihren Kulturen, ihrer Religion. Viele Muslime haben schon die österreichische Staatsbürgerschaft – und ein „Islamgesetz“ gab es bereits 1911. Dennoch gibt es Spannungen, Ressentiments, gegenseitige Ängste und weithin noch Missverständnisse.


Tagung und Vorträge


Religion als Lebensgeleit
Freitag, 16. April, 19.30 Uhr,
Bildungshaus St. Hippolyt
Mit Univ. Prof. Dr. Wolfgang Treitler


Lebensstufen im Islam
Samstag, 17. April, 9 bis 12 Uhr
Bildungshaus St. Hippolyt
Mit Mag. Zeynep Elibol, Direktorin der islam. Fachschule für Soziale Bildung, Wien


Jahresfestkreis und Tagesablauf bei den Aleviten
Samstag, 17. April, 14 bis 17 Uhr,
Cem Haus, alevit. Zentrum, St. Pölten – Ratzersdorf, Keltenstr. 1
Mit Mehmet Mercan, Dede im Alevitischen Zentrum


Besseres gegenseitiges Verstehen


Der Fachinspektor für den Religionsunterricht Mag. Johann Bruckner aus St. Pölten ist auch Leiter des Diözesankomitees für Weltreligionen und setzt sich seit vielen Jahren für ein besseres Verstehen von Christen und Muslimen ein. Ein oft „mühsamer Weg“, wie er bestätigt. Nach einem Lehrgang „Weltreligionen“ habe er erkannt, dass dies „eine Herausforderung für mich als Christ in diesem Land ist: Wir müssen mit unseren muslemischen Mitmenschen in Dialog treten“. So sieht er sich wie einen Teppichknüpfer, der Faden um Faden zusammenfügt, um ein Gesamtbild gegenseitiger Achtung und gegenseitigen Verstehens zu entwerfen.


Gegen Ressentiments


„Muslime sehen uns Christen oft so, wie sie im Koran beschrieben sind“, weist er hin. Dies entspreche aber nicht dem Bild, das Christen von sich selbst haben. Auch umgekehrt sei es so: wir würden Muslime wahrnehmen, wie sie uns in den Medien beschrieben werden - meist in Zusammenhang mit Nachrichten, einseitig und vereinfacht. „Doch der Islam ist ebenso vielfältig wie die ganze Christenheit“, meint Bruckner „- und darf nicht mit Islamisten gleichgesetzt werden.“
„Viele Muslime fragen sich sogar, ob Christen überhaupt beten“, weiß Bruckner aus Gesprächen. Sie hätten kaum praktizierende Christen gesehen und seien selbst nie in eine Kirche gegangen. „Da ist es wichtig, gegenseitig Vertrauen aufzubauen, sich besser über den Glauben zu informieren und eine gemeinsame Alltagskultur zu entwickeln“. Dennoch sieht er hinter all den Ressentiments und Konflikten selten religiöse Gründe, sondern kulturelle - und einen Ausdruck des Umgangs mit Minderheiten, meint er.


Miteinander leben


„Eine gute Zukunft wird davon abhängen, wie weit es uns gelingt, dass Kulturen und Religionen miteinander in Frieden leben lernen“, ist er zuversichtlich. „Ganz gefährlich“ sei hingegen, Moslems in unserem Land einfach abzulehnen, warnt Bruckner: „Was heißt das? – sie ausgrenzen, zurückschicken, oder?“. Ein Problem liege für ihn darin, dass Religion instrumentalisiert werden könnte. „Mit dem Kreuz gegen den Islam drohen ist kein Engagement für Christentum, sondern eine Kampfansage“, stellt er klar.
Für die Christen gebe es im Umgang mit Muslimen doch die beste theologisch Motivation: „jeder Mensch ist Kind Gottes“ - und auch Jesus habe keine Berührungsängste mit den Andersgläubigen seiner Zeit, wie den Samaritern, gehabt.


Religionsfreiheit ernst nehmen


Bruckner rät, Religionsfreiheit ernst zu nehmen und jede Religionsausübung, privat und öffentlich, zu bejahen, damit Gläubige „nicht in den Hinterhöfen beten müssen“. Das Zusammenleben der Religionen dürfe auch nicht auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner gebracht werden, warnt er und schlägt andere Modelle vor, etwa das „Gast-Modell“: Bei einer religiösen Feier werden andere als Gäste eingeladen, einfach nur dabei zu sein. Auch das „Assisi-Modell“ wäre denkbar: die Anwesenden beten gemeinsam, aber jeder auf seine Art, quasi „unter einem gemeinsamen Dach“. Als höchsten Anspruch sieht er die interreligiöse Feier: Das Gebet ist der gemeinsame Ausdruck aller Anwesenden.
Wichtig sei, so Bruckner, „den Muslimen auf gleicher Augenhöhe zu begegnen“ und darauf zu achten, dass muslimische Mitbürger „uns häufiger als gläubige Christen wahrnehmen können“. Ein weiter Weg liegt noch vor uns. Jedoch: Jede lange Reise beginnt mit dem ersten Schritt.