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Missbrauchsfälle: Diözese St. Pölten ist "Aufklärung ein großes Anliegen"

Was tut die Kirche eigentlich, um die lückenlose Aufklärung von Missbrauchsfällen in den eigenen Reihen zu beschleunigen? Gibt es kompetente Strukturen, und werden die Sorgen, der Ärger vieler Gläubigen in unserem Land ernst genommen?
Bischof Klaus Küng ist die Aufklärung und Aufarbeitung von sämtlichen Fällen von Missbrauch in unserer Diözese ein großes Anliegen. „Es ist in diesen Zeiten von großer Verunsicherung der Gläubigen wichtig, klare Worte zu finden. Missbrauch ist ein schreckliches Phänomen unserer Gesellschaft, das besonders verwerflich wird, wenn es im kirchlichen Milieu stattfindet. Glücklicherweise sind uns aktuell keine Fälle von Missbrauch durch Priester unserer Diözese bekannt. Das hat sicher auch damit zu tun, dass das Thema durch die jüngste Geschichte unserer Diözese besonders sensibel angegangen wird", erklärt Bischof Küng. In der Diözese St. Pölten wurde somit auch schon in den letzten Jahren jedem Hinweis genau nachgegangen.


Die erste Anlaufstelle ist die Ombudsstelle. Ombudsmann Dechant Johann Zarl betont, dass er ganz für die Opfer da sei: „Wenn es sein muss, bin ich rund um die Uhr erreichbar.“ Zusammen mit seinem kompetenten Team, einer Juristin, einem Psychologen und einem Sozialarbeiter, geht Zarl allen Fällen zügig nach. Die Ombudsstelle St. Pölten ist überregional mit den entsprechenden Stellen in den anderen Diözesen vernetzt, ein reger Informationsaustausch findet statt.


Dabei steht der Opferschutz im Vordergrund. Informationen über Vergehen werden nur dann weitergegeben, wenn die Opfer es wünschen. Oft ist es bereits genug, ein Gespräch zu vermitteln oder eine Entschuldigung auszusprechen. Opfer werden jedoch zur Anzeige ermutigt, wenn strafbare Handlungen vorliegen.
Wenn sich die Verdachtsmomente erhärten, wird zusammen mit der Diözesanleitung überlegt, wie weiter vorgegangen wird. Normalerweise wird der Beschuldigte bis zur vollen Aufklärung dienstlich freigestellt. Sollte ein Strafbestand vorliegen, kann es notwendig sein, dass eine Strafanzeige erfolgt.


Die Bestrebungen um kompromisslose Klarheit sind Teil einer Initiative der österreichweiten Vernetzung aller Diözesen. Zudem bereitet aktuell eine Arbeitsgruppe ein Gesamtkonzept zu einem noch wirksameren Umgang mit sexuellem Missbrauch für die Bischofskonferenz vor.