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Klasnic: 2010 war "Neubeginn" für Umgang mit Missbrauchsfällen

Im Umgang mit Missbrauchsfällen im kirchlichen Bereich hat das Jahr 2010 einen "Neubeginn" und einen "guten Start" gebracht. Das betonte Waltraud Klasnic rückblickend auf ihre Tätigkeit als Unabhängige Opferschutzanwältin am Mittwoch im Interview für das "Ö1-Morgenjournal". Die Kommission werde in einer wissenschaftlichen Arbeit die Ursachen für die Missbrauchsfälle im kirchlichen Bereich untersuchen, kündigte sie an. Sie werde sich aber auch dem Missbrauchsproblem in der Gesellschaft widmen, da laut Klasnic außerhalb der Kirche die allermeisten Fälle zu finden seien.
Aufgrund der bisher behandelten Fälle zeige sich, dass oft dort Fälle von Gewalt und Missbrauch aufgetreten seien, wo es einen "geschlossenen Kreis" gab - wie in Heimen und Internaten, wo es oft keine Besuche gab und "niemand nachgeschaut hat, was dort passiert ist". Man müsse auch sehen, dass es oft eine persönliche Beziehung zwischen Opfer und Täter gab. Generell sei leider festzustellen, dass "den Kindern nicht geglaubt wurde", auch dann, wenn ein Fall zu Anzeige gebracht wurde.


Im kirchlichen Bereich hätte es laut Aussagen der Opfer durch die Beichte noch ein spezifisches Problem gegeben: "Der Täter wurde über die Beichte oft von seiner Sünde aus seiner Sicht erlöst, aber er hat sie am nächsten Tag wieder begangen." Das sei "ein Teil des Rituals" gewesen, "den uns die Opfer immer wieder erzählen", so die Opferschutzanwältin.


99 Prozent der Fälle außerhalb der Kirche


Gleichzeitig betonte Klasnic, dass sich die Opferschutzkommission in der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Missbrauchsproblems nicht nur auf die Kirche und die Vergangenheit beschränken werde. Lediglich ein Prozent der Missbrauchsfälle seien dem kirchlichen Bereich zuzurechnen. "Es gibt noch 99 Prozent andere, die zum Teil leider überhaupt nicht gesehen, nicht gehört, nicht erkannt werden - heute noch. 80 Prozent in der Familie, vieles in Vereinen, Organisationen und so weiter." Die Gesellschaft habe das aufzuarbeiten, und dazu werde die wissenschaftliche Arbeit der Kommission dienen, so Klasnic.


Dem Vorwurf von kirchenkritischer Seite, die Kirche hätte eine "Täterschutzkommission" eingesetzt, hielt die Opferschutzanwältin die Fakten des Zustandekommens der Kommission entgegen: Kardinal Christoph Schönborn habe selbst keine Kommission eingesetzt sondern sie, Klasnic, "ersucht, diese Aufgabe zu übernehmen. Und nach vier Wochen habe ich unbeeinflusst eine Kommission vorgestellt, die ausgesprochen nicht als nur kirchennah gesehen werden kann."


Klasnic würdigte auch, dass Kardinal Schönborn nicht etwas vom Staat gefordert, sondern selbst gehandelt habe, denn: Wer "schnell reagiert und handelt, handelt doppelt so gut." In diesem Zusammenhang sei es ein "gutes Zeichen", dass inzwischen staatliche Stellen gegenüber dem kirchlichen Vorgehen "nachziehen", stellte die Opferschutzanwältin fest.


Unabhängige Opferschutzanwaltschaft