Sommerkampagne 2016
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„Geistliche Begleitung“ zum Abschied

„Der Dienst des Spirituals ist ein Dienst im Hintergrund. Der geistliche Begleiter weiß oft mehr, hat aber auch mehr mitzutragen.“ Dies betonte der emeritierte Abt von Seckau, P. Johannes Gartner, in einem Vortrag über geistliche Begleitung anhand der Regel des hl. Benedikts an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten. Weihbischof Anton Leichtfried hatte als Regens des Priesterseminars zu dem Vortrag aus Anlass der Verabschiedung von P. Laurentius Resch als Spiritual des Hauses geladen. Der Seitenstettener Benediktiner war von 2005 bis 2010 geistlicher Begleiter der Seminaristen. Der Vortragende, P. Johannes, war von 1980 bis 1984 selbst Spiritual am St. Pöltner Priesterseminar gewesen.
In der Benediktsregel werde die geistliche Begleitung „am seelsorglichen Handeln Gottes gemessen“, erklärte Altabt Gartner. Ein Spiritual sei „Vater“, wie der Sohn „Lehrer“ und entsprechend dem Hl. Geist „wie ein weiser Arzt“.
Ein geistlicher Begleiter solle „die Barmherzigkeit des Vaters spürbar machen“. Das Bild des Vaters repräsentiere dabei keinen Patriarchen, sondern den „Dienst an den Menschen und an der Sache, der die Entfaltung der Anvertrauten ermöglicht und begleitet“, so Gartner.


Die zweite Person des Lehrers sei „mehr durch das Leben denn durch Worte sichtbar“ zu machen. Ein durchgängiges Prinzip in der Benediktsregel sei die Rücksichtnahme auf die Schwächeren, betonte Gartner. So sei auch geistliche Begleitung keine Ausübung von Macht, sondern geschehe in Gottesfurcht.
Der hl. Geist schließlich sei „der große Heiler“. Auch Strafe geschehe gemäß dem hl. Benedikt nur „damit sie geheilt werden“. Gartner zitierte aus dem 64. Kapitel der Regel: „Immer gehe ihm Barmherzigkeit über Gericht. Er hasse die Fehler und liebe die Brüder.“ und „Er suche, mehr geliebt als gefürchtet zu werden.“
So müsse ein Spiritual „durch Erfahrung und menschliche Reifung“ in die Aufgabe eines geistlichen Begleiters hineinwachsen, folgerte Gartner und schloss mit einer Aussage des früheren Weihbischofs Alois Stöger: „Wer einmal Spiritual gewesen ist, der bleibt es.“


Neuer Spiritual am St. Pöltner Priesterseminar und Nachfolger von P. Laurentius Resch ist ein weiterer Benediktiner, P. Christian Gimbel von Stift Göttweig.


Foto (v.l.): Abt em. P. Johannes Gartner, Diözesanbischof Klaus Küng, P. Laurentius Resch