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Erfolgsgeschichte Netzwerk

Seit einem halben Jahr ist der diplomierte Sozialtherapeut Christian Vollmann Leiter des „Netzwerkes der Solidarität“, einer Beschäftigungsinitiative der Diözese St. Pölten in Zusammenarbeit mit dem AMS und dem Land NÖ. Er hat sich für diese Aufgabe hohe Ziele gesteckt und möchte die „Erfolgsgeschichte“ fortschreiben. Bisher haben über 1.500 Menschen dank des “Netzwerkes“ einen Arbeitsplatz gefunden.

Vollmann setzt auf die gute Erfahrung der vergangenen Jahre und möchte verstärkt mit ehrenamtlichen Mitarbeitern, den „Aktivisten“ noch enger zusammenarbeiten. Schließlich sind sie die „Träger“ des Erfolges - sie halten Augen und Ohren offen für jene, die auf Jobsuche sind und sich an das Netzwerk gewandt haben.

Eines seiner Anliegen ist es, die Öffentlichkeit hinzuweisen, was durch die Kirche alles an Gutem geschieht. Nicht nur in den katholischen Bewegungen, der Caritas, der Telefonseelsorge oder durch Entwicklungsprojekte in der Dritten Welt, sondern durch Menschen, die sich für andere einsetzen. Wie die Aktivisten im „Netzwerk der Solidarität“. „Viele sind erstaunt wenn sie hören, dass wir ein Teil der Kirche sind“, erzählt Vollmann. “Die, die ausgetreten sind, zeigen sich besonders überrascht und verwundert, dass allen geholfen wird, egal ob Christen, Muslime oder Ausgetretene“.

Vor drei Jahren hat der damalige Leiter des „Netzwerkes der Solidarität“, Julius Felker, Christian Vollmann zur ehrenamtlichen Mitarbeit geworben. Seine soziale Ader und sein Wunsch, in der Kirche zu arbeiten, ließen ihn immer wieder Bewerbungen an die Diözese schreiben. Vor drei Jahren wurde eine Stelle frei, und Vollmann wurde als Mitarbeiter beim Netzwerk aufgenommen. Er hat das „Young Net“ ins Leben gerufen, eine Einrichtung mit speziellen Angeboten rund um die Jobsuche für Jugendliche.

„Bin im Stift aufgewachsen“

Der gebürtige Herzogenburger verdankt seinen Bezug zur Kirche seinem Religionslehrer Kaplan Clemens Maier. „Er war für mich ein großes Vorbild, gütig und liebenswürdig“, sagt er. „Ich bin fast im Stift aufgewachsen. War zuerst Ministrant, später Leiter der Ministranten und begleitete die Firmlinge“, erinnert er sich heute noch gerne daran. Den Wunsch, einen kirchennahen Beruf zu ergreifen hatte er schon lange. Nach der Matura war er „kurz orientierungslos“, wie er es ausdrückte. Die Ausbildung zum Hauptschullehrer mit Zusatzfach Religion erschien ihm zunächst als gute Lösung.

Zivildienst bei Emmaus

Als Zivildiener bei der Emmausgemeinschaft in St. Pölten kam das Umdenken. „Dort habe ich viel gelernt. Ich konnte bis dahin nicht einmal Kaffee kochen“ erzählt er. Die Begegnung mit Charly Rottenschlager, dem Leiter der Emmausgemeinschaft, hat ihn tief beeindruckt. Christian Vollmann: „Ich merkte, dass mich die Sozialarbeit noch stärker interessiert als die Pädagogik“.

Er arbeitete zugleich bei der Emmausgemeinschaft und als Religionslehrer. „Das war anstrengend“, meinte er. Sechs Jahre lang. Es folgten eine Anstellung im Jugendzentrum der Stadt St. Pölten, dem Steppenwolf, die Ausbildung zum Sozial-Therapeuten in Deutschland und später Leiter der „AMPEL“ in St. Pölten.

Dass er sich irgendwann wieder einer neuen Aufgabe widmen könne, kann sich Vollmann schon vorstellen, doch den Arbeitgeber möchte er nicht mehr wechseln. „Ich habe noch nirgendwo eine derartige Kollegialität und ein so ein liebenswürdiges Miteinander erlebt, wie in der Diözese“, schwärmt er. Seine Freizeit verbringt er am liebsten bei Büchern. „Ich lese religiöse Bücher oder Thomas Bernhard, aber auch Sachbüchern“, sagt er. Dazwischen ist er am Tennisplatz.

Am Glauben verzweifelt

2007 schlägt das Schicksal schwer zu: Innerhalb weniger Wochen verliert Vollmann nicht nur seine Mutter, sondern auch seine Freundin bei einem Verkehrsunfall. Er beginnt am Glauben zu zweifeln, fühlt sich ein halbes Jahr „wie ferngesteuert“.
Doch der Glaube, der ihn so zweifeln ließ, wurde wieder zum Rettungsanker. Durch die Literatur über Pater Pio, einem italienischen Kapuziner (1887-1968), der die Wundmale trug und dem man die Gabe des Heilens und der Prophetie nachsagt, fand er wieder zurück zum Glauben.

Vor einem Jahr wurde Christian Vollmann erneut auf harte Probe gestellt. In der Ohrspeicheldrüse wurde ein Tumor festgestellt. Dieser konnte, obwohl schon ziemlich groß, durch die Kunst der Ärzte gänzlich entfernt werden. „Es ist gut gegangen", meint er zum Abschluss des Gespräches. Im Funkeln seiner Augen markt man, dass ihn nichts so leicht umhauen kann. Dank seines Glaubens, auf den er stets vertraut.

Jutta Strobl