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Der Papst im Portemonnaie

Wer im vatikanischen Postamt Briefmarken kauft, sollte nicht unbedingt passend zahlen: Denn dann steigen die Chancen, dass er einen blitzblanken, goldglänzenden kleinen Fünfziger mit Papstporträt als Wechselgeld bekommt. Wer im vatikanischen Postamt Briefmarken kauft, sollte nicht unbedingt passend zahlen: Denn dann steigen die Chancen, dass er einen blitzblanken, goldglänzenden kleinen Fünfziger mit Papstporträt als Wechselgeld kriegt.


Bislang erschienen die vatikanischen Euro-Prägungen als fein abgepackte Komplett-Münzsätze, für die sich Sammler im Kirchenstaat die Beine in den Bauch standen. Jetzt kommt der Papst in die Portemonnaies.


Grund dafür ist ein am 1. Jänner 2010 in Kraft getretenes Abkommen, das den Vatikan verpflichtet, künftig 51 Prozent seiner Euro-Münzen zum Nennwert in den regulären Geldumlauf zu bringen. Im Gegenzug wurde der Gesamtwert der Euromünzen, die der päpstliche Kleinstaat herausgeben darf, von knapp 1,1 Millionen auf rund 2,3 Millionen Euro erhöht.


Wie die Einspeisung eines Millionenbetrags in harter Münze in den europäischen Geldverkehr umgesetzt werden sollte, war im Detail bislang unklar und bereitete auch den Verantwortlichen im Vatikan etwas Kopfzerbrechen. Schließlich verfügt das 55 Hektar große Staatswesen, das zu einem erheblichen Teil aus Gärten und Basilika besteht, über eher wenige Schnittstellen für den Austausch von Bargeld. Ohne besondere Ankündigung begannen hier und da nun die ersten 50-Cent-Stücke mit dem Konterfei von Benedikt XVI. aufzublitzen.


Etwas Glück gehört dazu, um einen Papst-Groschen zu erhalten, denn die Ausgabe erfolgt wohldosiert. "Sie geben uns jeden Tag nur ein paar Münzen", sagt der Mann am Postschalter und weist auf das nahezu leere Fünziger-Fach in seiner altgedienten hölzernen Wechselschatulle.


Auch das päpstliche Münzamt bestätigt die zurückhaltende Strategie: Die Papst-Euros würden nicht in Rollen, sondern nur in kleinen und losen Kontingenten an die Kassen verteilt. Man will nicht Sammler zur Jagd zu reizen. Und: Bis auf weiteres sind es nur Fünziger.


Kleinere Einheiten wie 10 Cent zu prägen, sei "die Mühe nicht wert", räumt ein Mitarbeiter des Numismatik-Amts ein. Auf die größeren Werte von 1- und 2-Euro-Münzen will der Vatikan verzichten, um sich nicht das Geschäft mit den jährlich erscheinenden Sondereditionen von 2-Euro-Gedenkmünzen zu verderben.


Auch das zeigt, dass der Schritt zum ordentlichen Münzverkehr mit gewissen Befürchtungen verbunden war.


Wie viel der Vatikan bisher an seinen Sammler-Euros verdiente, unterliegt der Diskretion. Gemeinsam mit Vatikan-Briefmarken, Eintrittsgeldern der Vatikanischen Museen und Souvenirs zählen die Prägestücke zu den wesentlichen Einnahmequellen des Kleinstaats. Die jährlich 85.000 Kursmünzsätze mit einem Nennwert von 3,88 Euro werden vom päpstlichen Numismatik-Amt für je 30 Euro ausgegeben; an Sammlerbörsen erzielen solche Sets bis 1.400 Euro.


Nicht zuletzt mit Blick auf das Sammlergeschäft war die Anbahnung des neuen Euro-Abkommens mit dem Vatikan nicht ganz einfach. "Während die Gespräche mit den Vertretern von Monaco und San Marino konstruktiv waren, zeigte sich der Staat der Vatikanstadt weniger interessiert an einem Meinungs- und Informationsaustausch", vermerkte ein Bericht der EU-Kommission seinerzeit.


Aber nicht nur der Vatikan hatte anfänglich Bedenken gegen die Münzeinspeisung. Eher laizistisch eingestellte Staaten wie Frankreich oder Belgien hatten dem Vernehmen nach durchaus ein Interesse, Euro-Münzen mit Papst-Porträt aus ihren Geldbörsen fernzuhalten.


Benedikt XVI. tritt nun in den europäischen 50-Cent-Reigen mit Königin Beatrix von den Niederlanden, Großherzog Henri aus Luxemburg, Belgiens König Albert II. und Griechenlands Sozialreformer Eletherios Venizelos. Leise und unmerklich kommt der Vatikan seinen Vertragsvorgaben nach, indem er Kleingeld in Touristengeldbörsen wandern lässt - über zwei Millionen Münzen allein dieses Jahr. Viele Besucher im Vatikan bemerken nicht einmal, dass sie plötzlich den Papst in der Tasche haben. Protestiert hat laut dem Angestellten im Postamt jedenfalls noch keiner.


"Kathpress"-Korrespondentenbericht von Burkhard Jürgens