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„In das Geschehen der Passion miteinbezogen“

„Bach zieht die Zuhörer in das Geschehen der Passion mit ein“, erklärte Mag. Franz Reithner, Dozent für Kirchenmusik, bei einer Einführung in die musikalische und theologische Bedeutung der Johannes- und der Matthäuspassion an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten. Aufführungen im Festspielhaus und im Dom von St. Pölten.
Vor allem durch die Choräle, die zwischen die einzelnen Abschnitte der Passionsgeschichte gestellt sind, werde der Zuhörer und Betrachter direkt angesprochen, erklärte Reithner. Damit folgten Bach und der für die nicht-biblischen Texte verantwortliche Picander dem lutherischen Leitgedanken einer „inklusiven Passion“. Die protestantischen Passionspredigten wollten Anleitungen zu einer ernsten, inneren Frömmigkeit sein.


Bei der Johannespassion seien die Chöre von einer einheitlichen Idee zusammengehalten, wie Reithner ausführte: „Textliche Entsprechungen und Korrespondenzen werden auf die Komposition übertragen.“ Reithner wandte sich gegen die zahlreichen Spekulationen um verborgene Symmetriegesetze und betonte, dass es Bach „in erster Linie um die Verkündigung des Evangeliums geht und nicht um eine bestimmte Form“.


In der Johannespassion verwende Bach allegorische Figuren, wie etwa die „Tochter Zion“, um dialogische Strukturen mit den Gläubigen aufzubauen, erklärte Reithner. Eine weitere Besonderheit der Johannespassion sei das „motivgeprägte Rezitativ“, bei dem das Motiv des jeweiligen Textes in die Komposition übernommen werde, so Reithner. An besonderen Stellen („Es ist vollbracht“) werde zusätzlich die Viola da Gamba eingebracht, die sonst keine Verwendung mehr findet.


Matthäuspassion: Mittwoch, 24. März, 19.30 Uhr, Großer Saal Festspielhaus St. Pölten; Chor und Orchester des Collegium Vocale Gent, Dirigent: Philippe Herreweghe.
Johannespassion:Palmsonntag, 28. März, 20.00 Uhr, Dom zu St. Pölten; Domkantorei St. Pölten, capella nova Graz, L’Orfeo Barockorchester, Annette Dasch (Sopran), Dirigent: Otto Kargl.


Foto: Mag. Gertrud Stecher (Violine und Viola), Mag. Franz Reithner (Klavier) und Mag. Sylvia Kummer (Mezzosopran)