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Bischof Küng: Missbrauchsopfer brauchen individuelle Hilfe

Auf jedes Missbrauchsopfer muss individuell und sehr sorgsam eingegangen werden, hat der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng am Mittwochabend in der Ö1-Diskussionssendung "Im Klartext" unterstrichen. Gemeinsam mit der Gerichtspsychiaterin Adelheid Kastner betonte Küng die Notwendigkeit, dass die Opfer ernst genommen und das ihnen angetane Unrecht auch klar als solches benannt werden müsse. Wenn möglich müsse das auch vom Täter eingestanden werden.
Küng betonte, dass er als Bischof immer schon jedem einzelnen Verdachtsfall nachgegangen sei. Schweigegeld sei niemals bezahlt worden, in einzelnen Fällen sei hingegen eine Therapie finanziert worden. Grundsätzlich sei bei finanziellen Fragen immer der Täter als erster in die Verantwortung zu nehmen, wenn weitere Stellen eine Mitschuld tragen, müsse auch die jeweilige Institution ihrer Verantwortung gerecht werden, so Küng.


Was einen generellen Opferfonds der Kirche angeht, gebe es noch kein klares Ergebniss, sagte der Bischof. Hier würden noch verschiedene Überlegungen angestellt. Eine intensive Zusammenarbeit bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen mit außerkirchlichen Stellen sei aber selbstverständlich und unerlässlich.


Wenn bei einem kirchlichen Mitarbeiter eine klare pädophile Ausrichtung vorhanden sei, müsse er "radikal" aus Tätigkeitsbereichen entfernt werden, in denen für andere Personen Gefahr bestehe, stellte Bischof Küng klar. Dieser Grundsatz sei früher in der Kirche zu wenig wahrgenommen worden, räumte der Bischof ein.


Jesionek: "Kirche wird aus Fehlern lernen"


Udo Jesionek, Präsident der Hilfsorganisation "Weißer Ring", die sich um Opfer von Verbrechen annimmt, zeigte sich zuversichtlich, dass die Kirche aus ihren Fehlern lernen werde. Derzeit gebe es aber generell zu wenig Hilfseinrichtungen für Opfer und auch zu wenig Geld, um Hilfe wie Psychotherapien zu bezahlen.


Eindringlich warnte Jesionek davor, dass alle Missbrauchsfälle einzeln vor Gericht abgehandelt werden. Das würde zu vielen "schmutzigen und grauslichen" Einzelprozessen führen und die Opfer sehr belasten. Hier sollten die Kirche und der Staat gemeinsam eine bessere Lösung finden, forderte Jesionek.


Küng: Zölibat kein Grund für sexuellen Missbrauch


Bischof Küng wies ausdrücklich alle Vorwürfe zurück, dass der Zölibat einer der Gründe für sexuellen Missbrauch sei. "Man wird nicht pädophil, weil man enthaltsam lebt", so Küng wörtlich. Dort, wo Sexualität nicht zivilisiert und verantwortungsvoll gelebt werde, bestehe die Gefahr eines Missbrauchs. Das betreffe aber sowohl zölibatär lebende wie auch in Beziehungen lebende Personen. Deshalb müsse die Kirche auch bei den Zulassungskriterien für das Priesteramt und bei der Ausbildung eine verstärkte Wachsamkeit an den Tag legen. Es brauche "gesunde ausgereifte Persönlichkeiten" für das Priesteramt.


(kap/dsp)