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Bischof Küng: Mehrheit der Priester lebt "authentisch"

Die Qualitäten der katholischen Priester, von denen die Mehrheit "authentisch lebt", und die Notwendigkeit einer Reform, "die in die Tiefe geht", betonte der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng am Sonntagabend im ORF. Die Diskussionssendung "Im Zentrum" stand diesmal unter dem provokanten Titel "Aufstand der Priester - Zählt das Wort des Papstes noch?". Zugleich warnte Küng vor einer "klerikalen Engführung": das Zweite Vatikanische Konzil habe ausdrücklich die Berufung aller getauften und gefirmten Christen betont.
Grundlage der Diskussion war die vom Wiener Theologen em. Prof. Paul Zulehner durchgeführte jüngste Telefon-Umfrage unter österreichischen Pfarrern. Zulehner betonte, dass in der Umfrage keine "Illoyalität gegenüber dem Papst" zum Ausdruck komme, vielmehr gehe es darum, eine "Transformationskrise" zu bewältigen. Im Mittelpunkt stünden dabei zwei "praktische Fragen": Keine christliche Gemeinde darf ohne Vorsteher sein, jede christliche Gemeinde muss Eucharistie feiern können. Beide Anforderungen seien schon für die junge Kirche zentral gewesen, wie die neutestamentlichen Schriften belegten. Ziel der Umfrage - die jetzt auch in Buchform vorliegt - sei es, ein "organisiertes Hinhören" auf die reale Situation zu ermöglichen.


Auch Bischof Küng hatte eingangs betont, dass in der Umfrage "große Nöte" zum Ausdruck kommen. Freilich müsse man sich vor Augen halten, dass in der Kirche Umfragen nicht wie in der Politik funktionieren. An den Aussagen der Pfarrer sei aber überaus positiv, wie wichtig ihnen die Seelsorge ist und wie stark sie sich mit ihrem Beruf und ihrer Berufung identifizieren, lobte Küng.
Die Diskussion, an der auch Uwe Winkel vom deutschen "Priesternetzwerk", Christoph Zellenberg von "kath.net" und Martha Heitzer von der Plattform "Wir sind Kirche" teilnahmen, war weithin vom Willen zum Miteinander bestimmt. Auch der Pfarrer von Paudorf, P. Udo Fischer OSB, unterstrich als Vertreter der "Pfarrerinitiative", dass er und seine Kollegen sich keineswegs als "Aufständische" verstehen.


Zölibat nach wie vor "eindrucksvolles Zeichen"


Breiten Raum nahm in der Diskussion die Frage des Zölibats ein. Bischof Küng betonte, dass es heute schwieriger geworden sei, den Zölibat zu leben, das gelte aber auch für die Ehe. Ohne die Bedeutung der Ehe kleinzureden, sei der Zölibat ein "eindrucksvolles Zeichen". Freilich müsse an dieser Lebensform gearbeitet werden, zum Beispiel gehe es auch um neue Formen gemeinschaftlichen Lebens mehrerer Priester. Bischof Küng stellte aber auch klar, dass er den Dingen nachgehe, wenn er Informationen über das Verhalten von Priestern erhalte, das nicht den kirchlichen Normen entspricht: "Wir müssen uns um Ehrlichkeit bemühen, ich halte nichts von einem Doppelleben. Wir brauchen Authentizität."


Prof. Zulehner unterstrich, dass "keiner der befragten Pfarrer" die Sinnhaftigkeit des Zölibats in der katholischen Kirche des lateinischen Ritus bezweifelt habe: Die meisten würden selbst bei einer Freistellung des Zölibats weiter ehelos leben wollen; nur 19 Prozent sagten, sie würden heiraten wollen. Zulehner bekräftigte anhand der Studie auch eine jüngst getroffene kritische Aussage von Bischof Küng zu einem "ganz sensiblen Punkt", wo dieser von "homosexuellen Netzwerken in der Kirche" gesprochen hatte.


Sowohl Bischof Küng als auch Prof. Zulehner betonten ihre Überzeugung, dass es jenseits aller organisatorischen Fragen um die Gottesfrage geht und dass die Priester ein ganz hohes spirituelles Bedürfnis und Niveau haben. Der St. Pöltner Bischof verwies auf das gewachsene Interesse an "Orten des Glaubens, des Trostes und der Heilung", auch an "Orten des Bußsakraments". Prof. Zulehner stimmte zu: "Alle wollen Gotteserfahrung". Der Pastoraltheologe berichtete aber auch von seinem Eindruck, dass die Pfarrer "des Protestes müde sind". Viele Pfarrer führten heute selbst Reformen durch, "wo sie meinen, dass sie es mit dem Evangelium vereinen können".


"Im Zentrum" vom 4. Juli 2010