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„Wir brauchen euer Gebet und eure Hilfe“

„Wir brauchen eure Gebete, eure Hilfe und Solidarität, damit wir Christen im Land bleiben können“, erklärte Erzbischof DDr. Louis Sako von der Chaldäisch-Katholischen Erzdiözese Kirkuk im Irak bei einem Vortrag im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten über das Leben der Christen in diesem Land.

Der Großteil der irakischen Bevölkerung sind Moslems, erläutert der Bischof. Fast zwei Drittel gehören der schiitischen Richtung an. Die Christen seien heute eine kleine Minderheit, weniger als drei Prozent, führte Bischof Sako aus.
Im Alten Regime gab es zwar eine gewisse Sicherheit, aber keine Freiheit, sagte der Erzbischof. Heute sei es umgekehrt. Drei Jahre Krieg, zwölf Jahre Embargo seien genug. Die Christen suchen eine sichere Zukunft für ihre Familien. Man war zwar froh über die Veränderung im Land, doch die amerikanischen Truppen haben das Land zerstört und die Grenzen ohne Kontrollen geöffnet.

Gab es unter dem alten Regime außer einigen ethischen Auseinandersetzungen kaum Konflikte, so stünden sie heute fast an der Tagesordnung. Schiiten und Sunniten haben sich vehement bekriegt, nun wenden sich beide gegen die Christen. Über 750 seien bisher getötet worden, darunter drei Priester und ein Erzbischof.

Sako erklärte, dass die Moslems denken, Christen würden mit den Amerikanern paktieren. Sie meinen, die Amerikaner und der Westen, wo alle Probleme herkommen, führen einen „Kreuzzug“ gegen den Islam. So streben die moslemischen Fundamentalisten einen islamischen Staat an, in dem die Christen keinen Platz mehr haben.

So hätten bereits zahlreiche Christen das Land verlassen, viele von ihnen sind in den sicheren Norden gezogen. Die Flüchtlinge bräuchten Häuser und Arbeit, um sich dort anzusiedeln. Sie leben in kleine Dörfern mit etwa 200 Familien beisammen, wo es weder Arbeitsplätze noch Schulen gibt. „Diese Zukunft ist sehr zerbrechlich“, weist Bischof Sako hin. So ziehen auch manche wieder zurück nach Bagdad, wo das Leben unsicher ist, aber Chance auf Arbeit besteht.

„Informiert bitte eure Regierungen, Druck auf die islamischen Staaten zu machen, dass sie die Menschenrechte respektieren“, rief Bischof Louis Sako auf. Die Christen würden im Irak zwar „toleriert“, was für sie aber „eine Demütigung“ darstelle, da sie schon immer im Irak gelebt haben und das Christentum seit alters her im Orient beheimatet ist. „Wir wollen hier in unserem Land bleiben, denn es ist unser Zuhause. Helft uns, hier bleiben zu können“, bat er die Anwesenden abschließend.

Bischof Sako nimmt am Freitag, dem 27. März um 16.30 Uhr am Schweigemarsch der CSI Österreich (Christliche Solidarität International) von der Staatsoper durch die Kärntnerstraße zum Stephansdom teil.

Die Chaldäisch-Katholische Kirche ist Mitte des 16. Jahrhunderts durch den Übertritt eines Teils der sogenannten Nestorianer zum Katholizismus entstanden. Nach einer äußerst wechselhaften Geschichte wurde das Patriarch Mosul wurde 1830 neu eingerichtet und bestand bis 1950, als es nach Bagdad verlegt wurde. 2003 wurde Emmanuel III. Delly zum Patriarchen von Bagdad gewählt.

Erzbischof DDr. Louis Sako wurde 1948 in Mosul im Irak geboren, studierte in Rom und Paris, erwarb das Doktorat in Patristik und in Geschichte des frühen Christentums. 1974 zum Priester geweiht, arbeitete er als Pfarrer in Mosul und initiierte einige Sozialprojekte.

Sako, der zwölf Sprachen beherrscht, wird Rektor des Chaldäischen Priesterseminars in Bagdad und Professor für Patristik und Islamwissenschaft an der theologischen Fakultät Bagdad. Zusammen mit Muslimen setzt er sich für Frieden und Dialog und gegen Gewalt ein. Im November 2003 wurde er zum Erzbischof der nordirakischen Stadt Kirkuk geweiht.