Erntekrone
Weinstöcke mit Trauben
Pilgergruppe im Herbst
 
 

Österreichs Bischöfe danken Benedikt XVI. für seinen Brief

Die Frühjahrsvollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz tagte von 9. bis 12. März in Innsbruck. In ihrer Abschlusserklärung danken die Bischöfe Papst Benedikt für sein Schreiben, in dem dieser zu den Ereignissen rund um die Aufhebung der Exkommunikation der lefebvrianischen Bischöfe Stellung nimmt. Weiters geben die Bischöfe Erklärungen zur weltweiten Finanzkrise und zur Bedeutung des Kirchenbeitrages ab. In ihrer Vollversammlung haben sich die Bischöfe auch mit der Frage des konfessionellen Religionsunterrichts und mit der Bedeutung der Wahlen zum Europaparlament beschäftigt. Schließlich wird der neue Internetauftritt der Österreichischen Bischofskonferenz vorgestellt. Wortlaut der Presseerklärungen:


1. Ein Wort zum Brief von Papst Benedikt XVI. an die Bischöfe


Während der Frühjahrskonferenz der österreichischen Bischöfe traf der Brief des Heiligen Vaters zu den aktuellen Ereignissen rund um die Aufhebung der Exkommunikation der lefebvrianischen Bischöfe ein. Da das Schreiben an alle Bischöfe gerichtet ist, wurde es in unserer Versammlung verlesen: Es hat uns Bischöfe tief bewegt. Dieser Brief ist ein eindrucksvolles Zeugnis menschlicher und christlicher Größe. Wir empfehlen allen die direkte Lektüre. Es mag hilfreich sein, auf einige Aspekte ausdrücklich hinzuweisen:


Uns beeindruckt zuallererst die Offenheit und Sensibilität, mit der der Heilige Vater sowohl seine wahren Absichten als auch die vermeidbaren "Pannen" und schließlich die entstandenen Missverständnisse, Verhärtungen und sogar Feindseligkeiten benennt. Diese Haltung ist uns Vorbild im Umgang mit schwierigen Situationen. Es wird nichts schöngeredet und gleichzeitig werden die tragenden Absichten seines Handelns sichtbar.


Dieser Brief gibt tiefen Einblick in die wahren Motive, die Papst Benedikt XVI. bewogen haben, die Exkommunikation aufzuheben. Es ging um einen "leisen Gestus der Barmherzigkeit" um "die vier Bischöfe zur Rückkehr einzuladen". Es war "eine für mich nicht vorhersehbare Panne", dass diese Geste "von dem Fall Williamson überlagert wurde", sagt der Papst und fügt: "Ich lerne daraus..."


Alle, die in "sprungbereiter Feindseligkeit" glaubten, dem Papst antijüdische Absichten unterstellen zu können, wird dieser Brief nachdenklich machen. Uns hat sein persönliches Zeugnis berührt, dass manche jüdische Freunde "geholfen haben, das Missverständnis schnell aus der Welt zu schaffen und die Atmosphäre der Freundschaft und des Vertrauens wieder herzustellen".


Klar und unmissverständlich hält der Heilige Vater gegenüber der "Pius-Bruderschaft" fest, dass sie "keine kanonische Stellung in der Kirche hat...solange die doktrinellen Fragen nicht geklärt sind". Die vier Bischöfe üben "keine Ämter rechtmäßig in der Kirche aus".


Ganz offen stellt Papst Benedikt XVI. die Frage nach dem Sinn der Maßnahme: "War das wirklich eine Priorität? Gibt es nicht sehr viel Wichtigeres?" Als Antwort darauf formuliert der Papst erneut die "allererste Priorität" seines Pontifikats: "Gott gegenwärtig zu machen in dieser Welt und den Menschen den Zugang zu Gott zu öffnen". Sein Leitwort ist und bleibt ja: "Deus caritas est" – Gott ist Liebe: "Wer Gott als Liebe bis ans Ende verkündigt, muss das Zeugnis der Liebe geben". War es von daher gesehen "wirklich verkehrt", auf eine Gemeinschaft zuzugehen, die in Gefahr ist, sich "in Einseitigkeiten hinein" zu fixieren? Dieses Zugehen des Papstes ist das Wagnis der Liebe.


Uns hat besonders beeindruckt, was der Papst in diesem Kontext über den Umgang mit Gruppen in der Gesellschaft gesagt hat, die von Radikalisierungen bedroht sind: "Muss nicht auch die zivile Gesellschaft versuchen, Radikalisierungen zuvorzukommen, ihre möglichen Träger – wenn irgend möglich – zurückbinden in die großen gestaltenden Kräfte des gesellschaftlichen Lebens, um Abkapselungen und all ihre Folgen zu vermeiden?" Wir hören in dieser Mahnung den Auftrag, gesellschaftlichen Ausgrenzungen und ihren Gefahren entgegenzuwirken.


Papst Benedikt XVI. macht sich keine Illusionen über Einseitigkeiten der "Pius-Bruderschaft", wenn er sagt: "Wir haben seit langem und wieder beim gegebenen Anlass viele Misstöne von Vertretern dieser Gemeinschaft gehört". Wir Bischöfe sehen es als vorbildlich, dass der Heilige Vater dennoch auf eine "Öffnung der Herzen" vertraut: "Sollte die Großkirche nicht auch großmütig sein können im Wissen um den langen Atem, den sie hat?"


Dieser lange Atem heißt Vertrauen. Vertrauen auf Christus, aus dem das gegenseitige Vertrauen wächst: zwischen Rom, dem Zentrum der Weltkirche, und den Ortskirchen. Vertrauen auch zwischen den Vertretern unterschiedlicher Auffassungen über den Weg der Kirche.


Papst Benedikt XVI. erinnert an "die erste Priorität für den Petrus-Nachfolger": "Du aber stärke deine Brüder" (Lk 22,32). Die liebevollen, klaren und mutigen Worte des Papstes stärken uns Bischöfe im Dienst für Einheit und Liebe in der Kirche.


2. Eine Zeit der Krise


Die weltweite Finanzkrise hat dramatische Auswirkungen auf die reale Wirtschaft und damit auf die konkreten Lebensbedingungen vieler Menschen. Die Solidarität der österreichischen Bischöfe gilt in erster Linie den unmittelbar Betroffenen, deren materielle Lebensgrundlage auf Grund der Krise in Frage gestellt ist. Die Bischöfe fühlen aber auch mit den vielen Menschen, die in Sorge um ihre Zukunft, die Zukunft ihrer Familien und die Zukunft unseres Landes sind.


Die Krise spiegelt schwere moralische und strukturelle Mängel der modernen Gesellschaft. Nach den traumatischen Erfahrungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde in Österreich - wie in vielen anderen europäischen Ländern - auf das Modell der Sozialen Marktwirtschaft gesetzt, das entscheidend von Überlegungen der katholischen Soziallehre mitgeprägt ist. Dieses Modell setzt auf ein ausgewogenes Verhältnis von Freiheit und Ordnung, von wirtschaftlichem Erfolg und sozialem Ausgleich. Im Ganzen hat dieses Modell die Lebensbedingungen der großen Mehrheit der Menschen in unserem Land entscheidend verbessert.


In den letzten 20 Jahren ist es freilich durch die Existenz der weitgehend unregulierten Finanzmärkte dazu gekommen, auf Gewinne zu setzen, denen keine entsprechende realwirtschaftliche Wertschöpfung gegenüberstand. Die Vermehrung des Finanzkapitals nach dem Glücksspielprinzip wurde zum obersten Wirtschaftsziel erhoben statt die Dienstfunktion des Kapitals für die Schaffung von Gütern und Dienstleistungen zu sehen.


Jede Krise bedeutet aber zugleich auch eine Chance. Diese Chance gilt es wahrzunehmen und daran zu erinnern, dass alles wirtschaftliche Handeln immer im Dienst der Menschen stehen muss. Nicht der Mensch hat der Wirtschaft zu dienen, sondern die Wirtschaft ist für den Menschen da.


Gerade in einer Krisenzeit braucht es die Beachtung der Grundprinzipien der katholischen Soziallehre. Bei diesen Prinzipien geht es insbesondere um die Solidarität mit den Ärmsten und Schwächsten und um die Orientierung am Gemeinwohl. Es geht aber auch um den grundlegenden Respekt vor der Würde der Person, um Selbstverantwortung sowie um einen nachhaltigen Lebensstil, der den ökologischen Grenzen und der Verpflichtung zur weltweiten Gerechtigkeit Rechnung trägt.


3. Religionsunterricht - Ethikunterricht


Die Bischöfe haben sich intensiv mit der Frage des konfessionellen Religionsunterrichts und mit seinen für eine ganzheitliche Bildung unersetzbaren Beiträgen beschäftigt. In seiner Vielfalt hat der Religionsunterricht integrative Funktion und ist notwendig für ein angstfreies Miteinander in einer multireligiösen Gesellschaft. Der konfessionelle Religionsunterricht ist hilfreich, damit die Menschen nicht "Leute von nirgendwoher" sind, die ihre Wurzeln nicht mehr kennen und im gesellschaftlichen Diskurs über Lebensentwürfe nicht mehr auskunftsfähig sind. Dieser Unterricht leistet einen unersetzlichen Beitrag für die individuelle Persönlichkeitsbildung durch die Begegnung mit der großen religiösen Tradition, die Grundlage für Sinngebung und Wertorientierung ist.


Die Bischöfe danken ausdrücklich den zahlreichen Religionslehrerinnen und -lehrern für ihren Dienst und ihr Engagement. Denn es sind diese Lehrerinnen und Lehrer, die Sinn und Wert in manchmal mühsamem Dialog - und unter Respektierung der Freiheit der Schülerinnen und Schüler - in das konkrete Leben der jungen Menschen hier und heute buchstabieren.


Dass dieser Religionsunterricht gut angenommen wird, zeigen die Zahlen: Woche für Woche besuchen 730.000 Schülerinnen und Schüler allein den katholischen Religionsunterricht als Pflichtgegenstand - das sind 95 Prozent aller katholischen Schüler. Zusätzlich nimmt mehr als ein Viertel aller Schülerinnen und Schüler ohne religiöses Bekenntnis am katholischen Religionsunterricht als Freigegenstand teil.


Es ist jedoch angebracht, für jene Schüler, die aus vielfältigen Gründen keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen, einen verpflichtenden Ethikunterricht vorzusehen.


In einer Gesellschaft, in der eine nicht unbedeutende Zahl von Menschen ihre Werte säkular begründet, ist das angemessen. Darüber gibt es einen seit längerem bestehenden gesellschaftlichen Konsens. Es ist im Interesse von Staat und Gesellschaft, dass sich jeder junge Mensch im Lauf seiner Bildungslaufbahn in systematischer Form mit der Frage von Werten und Normen auseinander setzt.


Bei aller positiven Sicht eines solchen ergänzenden Ethikunterrichts muss aber eines festgehalten werden: In einem Land, in dem etwa 90 Prozent der Bevölkerung einer Religionsgesellschaft angehören, soll der Ethikunterricht nicht für alle Schüler verpflichtend sein. Das würde eine Relativierung des konfessionellen Religionsunterrichts bedeuten.


Die Bischöfe vertrauen darauf, dass eine nachhaltige und konstruktive Lösung im Interesse der österreichischen Schule gefunden wird: Durch ein gut abgestimmtes Miteinander von konfessionellem Religionsunterricht und Ethikunterricht, in dem beide ihren Dienst an den jungen Menschen leisten können.


4. Kirchenbeitrag


Die Bischöfe begrüßen die Verdoppelung der steuerlichen Absetzbarkeit des Kirchenbeitrags auf 200 Euro. Auf diese Weise werden die rund 3,7 Millionen Katholiken, die zugleich Steuern zahlen und Kirchenbeitrag entrichten, steuerlich deutlich entlastet. Durch den Kirchenbeitrag - einen solidarischen Pflichtbeitrag der Katholiken für ihre Kirche – werden viele Leistungen in den Bereichen Seelsorge, Bildung, Soziales, Denkmalpflege und Kultur getragen, die für die Gesellschaft sehr wichtig sind und allen Menschen in diesem Land zugute kommen. Die Ausweitung der steuerlichen Absetzbarkeit ist somit ein unübersehbares Zeichen dafür, dass der Staat diesen Beitrag der Katholiken zum Gemeinwohl würdigt und anerkennt.


Allen Gläubigen, die in großer Treue diesen Solidarbeitrag leisten, gilt der Dank der Bischöfe. Dies vor allem auch dann, wenn die allgemeine wirtschaftliche Situation Sorgen auslöst oder in der Kirche Situationen entstehen, die Anlass zur Kritik geben. Treue bedeutet, in guten wie in schlechten Zeiten zur Kirche zu stehen.


Fast 80 Prozent der Einnahmen der katholischen Kirche in Österreich stammen aus dem Kirchenbeitrag. Er ist die finanzielle Basis für ein dichtes Solidarnetz aus mehr als 4.000 Pfarren und Seelsorgestellen, das über ganz Österreich gespannt ist. In diesen Orten gelebter Gottes- und Nächstenliebe tragen 30.000 gewählte ehrenamtliche Pfarrgemeinderäte Mitverantwortung. Mit 60.000 Beschäftigten ist die katholische Kirche zudem einer der größten Arbeitgeber in diesem Land.


In allen Lebensbereichen ist die katholische Kirche präsent: Kindergärten, Schulen und Hochschulen, Erwachsenenbildung, Telefonseelsorge, Familienberatungsstellen, Seniorenheime, Behindertenhäuser - all das und noch viel mehr wird durch den Kirchenbeitrag ermöglicht und unterstützt. Einen Überblick darüber bietet die von der Bischofskonferenz herausgegebene Broschüre "Leistungen der Kirche. In Worten und Zahlen". Sie belegt, dass die katholische Kirche die Zivilgesellschaft in Österreich mitträgt und inspiriert.


5. Wahlen zum Europäischen Parlament


375 Millionen Wähler werden von 4. bis 7. Juni aufgerufen sein, jene Abgeordneten im Europäischen Parlament zu bestimmen, die in den nächsten fünf Jahren die Entwicklung der Europäischen Union maßgeblich mitgestalten werden. In Österreich werden diese Wahlen am 7. Juni stattfinden. Die Bischöfe rufen die Gläubigen auf, ihr Wahlrecht auszuüben, um auf diese Weise ihre Mitverantwortung für den "Bauplatz Europa" wahrzunehmen. Die Ausübung des Wahlrechts ist ein wichtiger Beitrag für eine weitere friedlich Entwicklung des europäischen Kontinents.


Diese Wahlen finden 30 Jahre nach der ersten Direktwahl des Europäischen Parlaments statt und 20 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, der jahrzehntelang Europa geteilt hatte. Die europäische Integration ist die friedliche Antwort auf die kriegerische Geschichte und auf die unheilvollen Totalitarismen, die so viel Leid über die Menschen in Europa gebracht haben.


Das Europäische Parlament wird sich in den nächsten Jahren mit einer Reihe bedeutender Themen auseinandersetzen, die sehr viele Menschen betreffen. Es geht vor allem um die globale Finanz- und Wirtschaftskrise, durch die zahllose Arbeitsplätze gefährdet sind.


Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments werden aber immer wieder auch vor grundlegenden Fragen stehen, die für die Wahlentscheidung eines Christen von großer Bedeutung sind: Sie betreffen den umfassenden Schutz des Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Ende, den verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung, das Bemühen um das europäische Gemeinwohl, die Stärkung von Frieden, Sicherheit und Freiheit, die Unterstützung der Familien und die Förderung der Jugend, den Umgang mit Asylwerbern, Hilfesuchenden und Migranten und den Einsatz für weltweite Gerechtigkeit.


Diese Fragen können nur auf dem Fundament der humanen und christlichen Werte, die Europas Wurzeln bilden, eine zukunftsfähige Antwort erhalten.


Durch die Teilnahme an den Wahlen können Christen dazu beitragen, dass engagierte Parlamentarier diese Werte fruchtbar werden lassen, damit ein menschliches Europa entsteht, über dem das Angesicht Gottes leuchtet.


6. Neuer Internet-Auftritt der Österreichischen Bischofskonferenz


Unter der Adresse www.bischofskonferenz.at geht am heutigen Freitag die offizielle Website der Österreichischen Bischofskonferenz online. Sie bietet den Usern sachkundige Informationen über die Österreichische Bischofskonferenz, deren Mitglieder sowie über die Aufgaben und Tätigkeiten ihrer Einrichtungen. Eine umfassende Sammlung der Presseerklärungen, der gemeinsamen Hirtenbriefe und anderer wichtiger kirchlicher Dokumente soll dem interessierten Benutzer die Dokumente der Bischofskonferenz schnell und unkompliziert zur Verfügung stellen.


Publikationen wie das "Amtsblatt der Österreichischen Bischofskonferenz" oder die Schriftenreihe "Die österreichischen Bischöfe" werden ebenso im Volltext online gestellt. Eine Bilddatenbank mit speziellem Fokus auf Veranstaltungen der Österreichischen Bischofskonferenz wird aufgebaut und ständig weiter ergänzt.


Auf der Startseite von www.bischofskonferenz.at befindet sich ein aktueller Meldungsblock mit Nachrichten über die Österreichische Bischofskonferenz sowie Tätigkeiten und Veranstaltungen, die eng mit ihr in Verbindung stehen. Durch die Zusammenarbeit mit der Redaktion des kirchlichen Webportals www.katholisch.at wird die Kooperation mit den Internet-Redaktionen der österreichischen Diözesen wesentlich verstärkt.


Neue Service-Elemente sind vor allem die Verzeichnisse wichtiger Dokumente der Bischofskonferenz, wie z.B. Presseerklärungen und Hirtenbriefe, sowie eine Volltext Suchfunktion zur Erleichterung der Suche nach Dokumenten auf der Website.


Die Website wird betrieben vom Generalsekretariat der Österreichischen Bischofskonferenz in enger redaktioneller Zusammenarbeit mit dem Medienreferat der Bischofskonferenz und der österreichischen katholischen Nachrichtenagentur "Kathpress".


www.bischofskonferenz.at