Sommerkampagne 2016
Sommerkampagne 2016
 
 

In Nigeria entsteht eine „Leopold-Schule“

Pfarrmoderator Sabinus Iweadighi aus dem Dorf Nkumeato in Nigeria hat sein Arbeitsjahr in der Pfarre Pottenbrunn wieder begonnen. Der gebürtige Nigerianer war im Sommer auf „Heimaturlaub“ – nicht um Urlaub zu machen, sondern um ein Schulprojekt in seinem Dorf umzusetzen und voranzutreiben. Die Grundfesten sind gegraben, der Bau kann beginnen. Überlegungen zu dieser Schule gab es schon seit einigen Jahren. Denn im Dorf Nkumeato mit 14.000 Einwohnern gibt nur eine Grundschule - und die Qualität liegt im Argen, wie Sabinus bestätigt. Nur wenige der 3.000 Kinder im Schulalter haben die Chance, auch lesen und schreiben zu lernen, da vielen Eltern das Geld dazu fehlt. Sabinus plant, zuerst eine weiterführende Schule mit sechs Schulstufen und je zwei Klassen zu errichten, in denen 400 bis 500 Kinder Platz finden sollen.
Diese neue Schule soll „Leopold-Schule“ heißen. „Ein Hinweis auf den Landespatron von Niederösterreich“, weist Sabinus hin, „da ich dem Land und den menschen hier viel zu verdanken habe; es hat mich geprägt“. Wenn das Schulzentrum fertig ist, soll es auch ein Ort der Begegnung zweier Welten und Kulturen werden, unterstreicht er und hofft auf viele Unterstützer aus Österreich. Die Dorfbewohner mussten zuerst informiert und der Baugrund für die Schule gefunden werden. Pläne, Finanzierung und der Beitrag der Dorfbewohner wurden ausgearbeitet. Das Grundstück hat bereits die Dorfgemeinschaft zur Verfügung gestellt, es wurde vermessen und bei der Behörde registriert. Heuer war es soweit - der Bau konnte beginnen.
Nachdem die Menschen aus Nkumeato beim Bau mithelfen und die Ziegel selbst fertigen, kostet der Bau mit 15 Klassenzimmern, Physik- und Chemielabor sowie den Büroeinrichtungen, Toiletten, Fenstern, Türen und Dach etwa 123.900 Euro. Für den Anfang sollen auch die Gehälter der Lehrer gesichert werden, plant Sabinus Iweadighi. Später sollen noch Sportplätze, eine Grundschule, ein Internat mit Küche und Speisesaal sowie Gemeinschaftsräume folgen.


Seit 1994 in Österreich


Vor 15 Jahren ist Sabinus Iweadighi zum Theologiestudium nach St. Pölten gekommen. Vor elf Jahren wurde er zum Priester geweiht. Seine Heimat hat er nie vergessen. „So wie mir Menschen geholfen haben, dass ich studieren und Priester werden konnte, will ich nun etwas von dem, was ich bekommen habe, zurückgeben“, erklärt er und meint „das beste Mittel zu helfen ist, Menschen in Afrika die Chance auf Bildung zu geben, damit sie sich selber helfen können“.
Eine Kirche hat er mit Hilfe von Freuden und Helfern, vor allem aus Oberndorf seiner „Heimatpfarre“ in Österreich, bereits errichtet. „Die Kirche ist das Wichtigste. Wir brauchen Menschen mit Gewissen“, sagt er überzeugt. „Der Schulbau ist nun der zweite Schritt“.


Krankenstation


Diesmal ist aber mehr geschehen im Dorf Nkumeato. Nicht nur, dass die Grundfesten der Schule bereits zu sehen sind, konnten viele Menschen zum ersten Mal von einem Arzt untersucht worden. Mit Sabinus ist der Pottenbrunner Arzt Dr. Andreas Weig nach Nigeria mitgereist. Gemeinsam mit einem anderen Studienfreund von Pfarrer Sabinus, Dr. Nathaniel aus Nigeria, hat er zwei Wochen lang unentgeltlich Patienten untersucht und behandelt. „Wir haben eine Krankenstation im Dorf, aber keinen Arzt“, erklärt Sabinus. Einen Arzt in der nächsten Stadt zu kontaktieren können sich die meisten Dorfbewohner nicht leisten.
Tag für Tag sind Menschen Schlange gestanden, um den Arzt aus Österreich zu kontaktieren. Etwa 2.000 Patienten konnte er behandele. In vielen Fällen mit hohem Blutdruck und hohen Blutzuckergehalt, was die meisten nicht wissen. „Das kommt durch die einseitige Ernährung mit Maniokwurzel, einer Kartoffelart“, weiß Sabinus zu erzählen. Medikamente und Aufklärung sollen die ärgsten Schäden, etwa Blindheit, verhindern. Gegen die einseitige Ernährung mit Maniok gibt es aber kaum Alternativen außer Bohnen und Kochbananen.