Sommerkampagne 2016
Sommerkampagne 2016
 
 

Netzwerk mit Power und Goodwill

Seit zehn Jahren ist die kirchliche Sozialinitiative „Netzwerk der Solidarität“ unweigerlich mit dem Namen Julius Felker verbunden. Einst Manager bei einem internationalen Konzern, dann kurzzeitig arbeitslos, hat Julius Felker 1999 die Aufgabe übernommen, arbeitslose Personen wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Und das auf völlig unüblichem Weg. Der Erfolg gibt ihm Recht. 1450 Personen sind ihm und seinem Team dankbar, einen neuen Job gefunden zu haben. Sein Team ist gewaltig: arbeiten doch Jahr für Jahr 440 ehrenamtliche MitarbeiterInnen in zehn sogenannten „Netzwerkgemeinden“ in Niederösterreich mit, um für jobsuchende Menschen wieder einen Platz zu finden. Diese sogenannten Aktivisten gehen jedem Einzeln nach und suchen gezielt einen Arbeitgeber, eine Firma, ein Unternehmen, das eine MitarbeiterIn braucht. Auch die Jobsuchenden müssen mittun und in ihren Ansprüchen mobil sein, erklärt Felker die Hintergründe des Erfolges.
Von den 350 „Kunden“, die jährlich beim Netzwerk anklopfen, findet so ein Drittel wieder eine Arbeit. Projektleiter Felker über sich: „Ich habe versucht, das Beste zu geben“, und: „meine Zielsetzungen waren aber immer höher, als ich erreicht habe“. Dennoch: die Bilanz liegt im Vergleich zu anderen Initiativen, die sich um eine Wiedereingliederung Arbeitsuchenden auf dem Arbeitsmarkt bemühen, weitaus höher.


Das Ohr bei den Sorgen der Menschen


Der Anfang war nicht leicht, erinnert sich Felker. Stetes Engagement, das Ohr bei den Sorgen der suchenden Menschen, Telefonate mit Firmen, MitarbeiterInnen, Enttäuschten und noch Hoffnung-habenden, dem AMS und anderen Einrichtungen haben ihn auf Trab gehalten. „Als Manager ging es unpersönlich und hart auf hart zu. Doch nun musste ich auf einer emotionalen Ebene mit Menschen umgehen, die am Rande der Verzweiflung stehen“, sieht er seine Herausforderung. Und als geborener Ungar und evangelischer Christ in einer katholischen Initiative? „Die Kirche, vor allem die Katholische Aktion, von der diese Initiative ausging, hat mich voll angenommen. Ich hatte nie das Gefühl, fremd zu sein“, sagt er, der 1956 beim Ungarnaufstand nach Österreich geflohen ist.


Highlights sind rar geworden


Julius Felker, nun kurz vor seiner Pensionierung, blickt mit Wehmut zurück. Etwa auf die berührendsten Momente, als es zum Beispiel dem Netzwerk gelungen war, in der Region St. Valentin mit großer Anstrengung zwei behinderte Personen wieder auf einen Arbeitsplatz zu integrieren. „Es war vor allem das Engagement eines Aktivisten“, meint er. „Da sieht man, was alles möglich ist, wenn jemand dahinter steht“. Solche Highlights sind in letzter Zeit rar geworden. Auch das Netzwerk spürt die Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftskrise. Dennoch vertraut Felker bis heute – und auch in Zukunft - auf seine ehrenamtlichen Mitarbeiter. Auch in seiner Pensionierung wird er wie selbstverständlich ehrenamtlich im Netzwerk mitarbeiten, versichert er.


Die Hälfte der Arbeitszeit unterwegs


So pendelt Felker Woche für Woche von seinem Arbeitsplatz in St. Pölten hinaus zu den Netzwerkgemeinden, leitet Regionaltreffen, berät Arbeitsuchende, kontaktiert AktivistInnen, sucht Firmen auf und hält Augen und Ohren offen, dass ihm keine Arbeitskraftsuche entgeht. Mehr als die Hälfte seiner Arbeitszeit hat er außerhalb des Büros verbracht, was er selbst bestätigt. Sogar AMS-Chef Karl Fakler, der immer wieder Arbeitsuchende zum „Netzwerk“ schickt, zeigt sich in einem Mail überaus erfreut: „Ich bin froh, dass wir Sie bei dieser heiklen Arbeit unterstützen können und freue mich über jeden Einzelnen, den Sie in Arbeit bringen können“.


Es wird immer schwieriger


Im vergangenen Jahrzehnt hat sich aber so Manches gewandelt. Es ist nicht leicht, sondern vielmehr schwieriger geworden, Menschen zu einem Arbeitsplatz zu verhelfen. Psychische Beeinträchtigungen wie Burnout und Depressionen nehmen zu, Mobbing am Arbeitsplatz und Kündigungen belasten zusätzlich und einfache Jobs für ungelernte ArbeiterInnen nehmen weiter ab. Für viele Menschen mit leichten psychischen Beeinträchtigungen sind die Anforderungen am freien Arbeitsmarkt zu groß. Plätze wie in geschützten Werkstätten gibt es zu wenig. „Ein großes Manko“, bedauert Felker und versucht trotzdem, immer wieder das Beste aus der Situation zu machen.


Mit 1. Jänner 2010 geht Julius Felker in Pension. Sein Nachfolger wird Christian Vollmann, diplomierter Sozialtherapeut und seit fast drei Jahren im Netzwerk für Jugendliche Arbeitsuchende, dem „Youngnet“ zuständig.