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„Liturgie ist Performance“

Die Bedeutung von Ritualen und der Liturgie als „Darstellung des Heilsgeschehens“ unterstrich Dr. Christoph Baumgartinger, Rektor des Schulamtes der Diözese Linz, bei einem Studientag für Kinder-, Jugend- und Familienliturgie im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten. In den vergangenen Jahrzehnten seien Rituale „sehr negativ besetzt“ gewesen, so Baumgartinger, heute werde ihre Notwendigkeit wieder erkannt. Allerdings dürfe „Ritual nicht mit Gewohnheit verwechselt“ werden.
„Liturgie ist Performance, was sonst?“, betonte Rektor Baumgartinger. Bei der sinnfälligen „Darstellung des Heilsgeschehens“ sei der ganze Kirchenraum „Bühne“ und das Messbuch das „Rollenbuch“ – ganz im Sinne von Romano Guardinis „Heiligem Spiel“. Die Messe sei zwar ein Gemeinschaftsgeschehen, es bleibe dennoch unerlässlich, dass bestimmte „Protagonisten“ das organisierte Ritual übernehmen. Dafür sei auch die liturgische Kleidung ein Zeichen. So trat Baumgartinger dafür ein, dass auch Lektoren, Kantoren und andere liturgische Kleidung tragen sollten. „Kleidung macht etwas mit uns; wir bewegen uns anders, gehen anders.“


Rektor Baumgartinger sprach sich andererseits entschieden dagegen aus, „den Messritus wie ein Event aufzuziehen“. Bei einem Event, wo es viel „Action“ und Abwechslung gebe, seien die Teilnehmer lediglich passiv: „Etwas geschieht mit mir. Bei einem Ritual bin ich aber selbst gefordert“, erklärte Baumgartinger. Die Messe sei ein Gemeinschaftsgeschehen, was in unserer Zeit des Individualismus nicht einfach zu transportieren sei, da „die Menschen mit sehr unterschiedlichen Erwartungen“ kommen würden. So ginge die Forderung, dass ein Ritual „wohl tun“ solle, in die falsche Richtung, betonte Baumgartinger. „Neue Schuhe drücken. Schuhe muss man lange genug tragen, dass man sich darin wohl fühlt.“


Liturgie sei in der Folge des 2. Vatikanischen Konzils zwar verständlicher geworden, für jeden einzelnen sei es dennoch „ein weiter Weg“ das Ritual zu „bewohnen“. Baumgartinger: „Rituale geben Geborgenheit, aber erst, wenn ich sie mir zu eigen gemacht habe.“ In diesem Sinne sei Wiederholung etwas Wertvolles und Notwendiges. Anstatt immer das Gleiche zu wiederholen, gelte es stets das wiederzu holen, was als bedeutsam erlebt wurde. Dies erfordere eine aktive Haltung.


Baumgartinger unterstrich jedoch auch die Notwendigkeit der Bereitschaft „etwas Fremdes zu wagen“: „Unsere Religion hat wesentlich mit dem Exodus zu tun, mit dem Auszug aus der bequem gewordenen Heimat.“ Neue Impulse in der Liturgie, wie etwa moderne Lieder, „müssen nicht immer nur mir selbst Heimat sein“. Allerdings dürfe es auch nicht zur „ästhetischen Exkommunikation“ kommen, dass sich Menschen aus Stilgründen ausgeschlossen fühlen. Liturgisches Handeln müsse nicht fehlerlos sein, so Baumgartinger, aber ausdrucksstark: „Es muss leben und Zeugnis geben vom Heilshandeln Gottes.“