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Kinder an der Orgel
Pater und Jugendliche am Lagerfeuer
 
 

Kreuz - religiöses Symbol und kulturelle Identität

Kreuze in Kindergarten und Schule sind nicht nur ein religiöses Symbol, sondern gehören auch zur kulturellen Identität. Darin waren sich die meisten Teilnehmer an der Diskussion über das Kreuz in Kindergarten und Schule im NÖ Landhaus einig. Die Veranstaltung wurde vom NÖ Akademikerbund organisiert. Als „Thema mit Brisanz abseits der Tagespolitik“ bezeichnete der Landesobmann des NÖ Akademikerbundes, Dr. Martin Michalitsch, diese Diskussion. Das Kreuz sei für viele nicht nur religiöses Symbol, sondern auch Zeichen der abendländischen Kultur.
In der Diskussion bezeichnete der Wiener Professor am Institut für Rechtsphilosophie der Universität Wien, Dr. Stefan Schima, das Kreuz auch als „sinnvariierendes Symbol“ und wies auf die rechtlichen Grundlagen hin. Er meinte jedoch, dass die Diskussion über die Kreuze in Kindergarten und Schule künftig kaum ein Konfliktthema sein wird, vielmehr werde sich die Diskussion stärker um die Anpassung der staatlichen Gesetze an die Europäische Menschenrechtskonvention drehen. Als Argument für die Anbringung von Kreuzen in Klassenzimmern soll seiner Meinung nach nicht die Mehrzahl der Schüler des christlichen Religionsbekenntnisses an der Schule ausschlaggebend sein, sondern der jeweiligen Klasse, äußerte Schima. Er gab auch zu bedenken, dass andere Religionsbekenntnisse weithin kein entsprechendes „symbolisches Gegenstück“ zum Kreuz besitzen.


Für Dr. Heinrich Stark von der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten, ist es „eine Selbstverständlichkeit“, dass Kreuze in den Klassenzimmern anzubringen seien. Dies ergebe sich aus dem Grundrecht des liberalen Rechtsstaates, der jedem das recht gewähren müsse, seine Religion öffentlich und im öffentlichen Raum ausüben zu können. Auch nichtreligiöse Personen würden durch das Symbol Kreuz mit der Kulturgeschichte konfrontiert, sagte er.


Dr. Charlotte Ennser, Direktorin am Gymnasium der Congregatio Jesu, früher „Englische Fräulein“ in St. Pölten, meint, dass der Sinn für religiöse Symbole heute weithin abhanden gekommen sei. Das heutige Bildungsniveau sei ohne Einfluss der konfessionellen Schulen heute nicht vorhanden, erklärte sie. So würde eine Entfernung der Kreuze ein Abgleiten in die Geschichtslosigkeit bedeuten. Ennser untermauerte, dass das Kreuz vielmehr in den Alltag mit eingebunden werden soll und für viele ein Anker in schwierigen Situationen sei.


Für den Biologen und erklärten Agnostiker Dr. Erich Eder habe der mitteleuropäische Atheismus seine Wurzeln im Christentum. Er müsse feststellen, so Eder, dass Nichtgläubige heute in Österreich diskriminiert seien, da es keinen staatlichen Schutz für Atheisten gebe, sondern nur für Religionen. Für ihn stelle „eine leere Wand ohne Kreuz in den Klassenzimmern“ die richtige Äquidistanz zu allen Religionen dar. Er räumte aber ein, dass es auch Werte gebe, die über „eine weiße Wand“ hinausgehen, etwa die europäische Menschenrechtskonvention. Als Alternative zum Religionsunterricht fordere er nicht einen Ethikuntereicht, sondern „ein Unterrichtsfach über Weltreligionen und Weltanschauungen“. Zu einem umfassenden Weltethos meinte er, dass auch Zugänge zu einer Ethik ohne Religion anerkannt werden müssten


Der stellvertretende Leiter der Fachstelle für Integration der NÖ Landesakademie, Mag. Murat Düzel, betonte in seinen Ausführungen vor allem die Bedeutung und Notwendigkeit des interreligiösen Dialogs.