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„Hier hat Kardinal König ein neues Zuhause gefunden“

Dass ein orthodoxer Metropolit einen katholischen Pfarrgarten und eine Statue Kardinal Franz Königs segne, sei nicht selbstverständlich, erklärte der orthodoxe Metropolit Michael Staikos am 11. Oktober in der Pfarrkirche Paudorf-Göttweig zum Kardinal-König-Gedenken.
Mit einer Bronzestatue in der Mariazell-Nische des Pfarrgartens ehrte die Pfarre Paudorf – Göttweig Kradinal Dr. Franz König, der immer wieder enge Beziehungen zur Pfarre Paudorf pflegte. Zum letzten Mal hat er 2004 die neue Orgel in der Pfarrkirche geweiht. Es war ein windiger und kühler aber leicht sonniger und regenfreier Tag, als die Gäste eintrafen: der orthodoxe Metropolit Michael Staikos, Kardinal Königs langjährige Büroleiterin Annemarie Fenzl, Heinz Nussbaumer, die Äbte Columban Luser und Joachim Angerer sowie P. Karl Schauer aus Mariazell und viele weitere Gäste. Das Stundengebet um 3 Uhr Nachmittags in der Pfarrkirche führte in die Feier der anschließenden Segnung der Statue im Pfarrgarten ein.


Mit Blick auf Maria


Denkmale seien Kardinal König fremd und verdächtig erschienen, wies Heinz Nussbaumer hin. Einzig das Albert Einstein Memorial in Washington vermittle eine andere Sicht, erinnerte sich Heinz Nussbaumer an ein Gespräch mit dem Kardinal. Es zeige den Wissenschaftler, der seinen Blick in eine andere Wirklichkeit, nach innen richte. Ähnlich auch die Bronzestatue des Paudorfer Künstlers Leo Pfisterer, verglich Heinz Nussbaumer. Kardinal König richte seinen Blick jedoch nicht in einer ratlosen Bewunderung auf das Universum, sondern auf die Gottesmutter. Gegenüber in einer Nische der alten Mauer ist eine Statue der Gottesmutter von Mariazell. Dieses Denkmal an Kardinal König gelte hier in seinem ursprünglichen Wortsinn, an das große Vermächtnis zu denken, das der Kardinal hinterlassen habe. „Hier hat Kardinal König ein neues Zuhause gefunden“, so Nussbaumer.


"Auf Augenhöhe mit den Menschen"


Annemarie Fenzl nannte die Statue als „Der Hörende“. Das Buch auf den Schoß gelegt, den Finger in der gerade gelesenen Seite gelegt, wendet sich der Kardinal auf gleicher Augenhöhe den Menschen zu, interpretierte sie. „Weil der Kardinal König zuhören konnte, war er auch ein guter Gesprächspartner“, sagte sie und drückte den Wunsch aus, dass dieser Ort ein Ankerplatz für die Seele sei, an dem der Kardinal „immer wieder Gesellschaft bekommen soll“.


Nähe und Weitsicht


Metropolit Staikos, beeindruckt von der Ikone des Pantokrators in der Paudorfer Kirche würdigte die Menschennähe und gleichzeitige Weitsicht des Kardinals. Man müsse „dankbar sein für diesen Kardinal, der aufrichtig war, alle respektierte, Juden, Moslems und alle anderen Religionen“.
Dass an diesem Tag ein orthodoxer Metropolit einen katholischen Pfarrgarten segne, sei nicht selbstverständlich, sondern Grund, Gott zu loben und zu preisen, unterstrich Staikos. Die Segnung der Statue gelte letztlich der Lobpreisung Gottes, der der Welt diesen Mann geschenkt habe, in dem die Ökumene einen großen Befürworter gefunden hatte. Auf die drei wesentlichen Fragen des Kardinals eingehend - woher komme ich, wohin gehe ich was ist der Sinn meines Lebens - erinnerte Staikos an sein letztes Gespräch mit Kardinal König, zwei Tage vor dessen Tod. Letztes Ziel des Lebens sei nicht, nach dem Evangelium zu leben, auch wenn dies hilfreich sei, sondern die Wiederherstellung der Beziehung des Menschen zu Gott.


Nach dem Stundengebet in der Pfarrkirche zogen Priester und Gläubige in den Pfarrgarten, wo der orthodoxe Metropolit Garten und Statue sowie die Mariazell Nische segnete. Diese Nische mit der Muttergottes von Mariazell wurde vom Künstler Karl Heinz Schreiner neben dem ehemaligen Dorfbrunnen des einstigen Dietmarsdorf errichtet.