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Es ist ein täglicher Kampf ums Überleben

Dachgleiche! Bernard Nikanu und Marie Lufua können aufatmen. Noch vor der Regenzeit ist es geschafft: das Waisenhaus für Straßenkinder am südlichen Stadtrand von Kinshasa, der Hauptstadt des Kongo, ist „wasserdicht“. Wenn es fertig gestellt ist, wird es zwei Dutzend Jugendlichen, die derzeit noch auf der Straße leben, Heimat geben. Gemeinsam mit ihren Helferinnen und Helfern versorgt Marie Lufua mit ihrem Projekt „Lutondo“ (Liebe) täglich etwa 50 Straßenkinder mit einer warmen Mahlzeit. Solche Kinder gibt es genug, denn die Lage ist trist. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist unter 15 Jahre alt. Drei Viertel der Menschen sind arbeitslos, zwei Drittel der Kinder müssen für sich selbst sorgen, da die Familien es nicht können. Viele Väter oder Mütter sind an Aids oder den Folgen einseitiger Ernährung gestorben. Die Mädchen landen dann meist in Prostitution, Burschen überleben durch Betteln, Diebstahl und Überfällen. Es ist ein täglicher Kampf ums Überleben – „wie streunende Hunde ziehen diese Kinder durch die Straßen und nehmen, was sie finden“, schildert Lufua.


Destin hatte Glück


Während sich „Mama Lufua“ in der Hauptstadt um die Kinder müht, wütet im Osten des Landes ein schrecklicher Krieg, der bisher drei Millionen Tote gefordert hat. Regierungstruppen kämpfen gegen bewaffnete Gruppen um den kostbaren Rohstoff Coltan. Dieses Roherz wird zur Gewinnung von Tantal verwendet, aus dem Leiterplatten für Handys und Spielkonsolen hergestellt werden. Nutzen ziehen lediglich Großkonzerne, wenige Unternehmer und die politische Spitze des Landes. Die Bevölkerung bleibt auf der Strecke.
Destin ist einer von den vielen Kindern, die kaum eine Chance haben. Der Vater ist verstorben, die Mutter hat wieder geheiratet. Destin war nur dann mehr ein lästiges Anhängsel. Er flüchtete in die 500 Kilometer entfernte Hauptstadt, vagabundierte durch die Straßen, lebte von Dienstählen und kleineren Einbrüchen. Die Nächte verbrachte er unter freiem Himmel, bis er von „Mama Lufua“ gefunden und versorgt wurde. Tagsüber hat er eine Bleibe gefunden – doch sehnsüchtig wartet er auf das neue Zuhause im Projekt „Lutondo“.


Schutz für Straßenkinder


Das Projekt Lutondo wurde vor sieben Jahren gegründet. Es soll Straßenkindern Schutz geben, Hilfe zum Überleben und ärztliche Versorgung und eine Schulbildung ermöglichen. Ein Haus soll den Jugendlichen und Kindern ein Dach über dem Kopf und vielen damit erstmals im Leben ein richtiges Zuhause bieten.
Ohne Hilfe von außen schaffen wir das nicht, sagte „Mama Lufua“. Ihr Sohn Mag. Louis Lufua ist in Wilhelmsburg in Niederösterreich verheiratet und Religionslehrer am Gymnasium in Lilienfeld. Er hat dieses Projekt nun in die Hand genommen. Im Sommer vergangenen Jahres war er sechs Wochen in Kinshasa, um mit dem Bau zu beginnen. Die Ziegel wurden selbst erzeugt, die Grundmauern aus Steinen errichtet und die Betonträger gegossen. Weihnachten war er wieder dort. Seitdem wurden die Mauern aufgezogen. Diesen Sommer konnte das Dach fertig gestellt werden. Nun kommen die Installationen in den Sanitärräumen und der Küche an die Reihe, die Elektrik in allen Räumen sowie die Wände, Böden und Möbel für die Räume und Zimmer.


"Ohne Hilfe haben sie gar keine Chance"


Ein Tropfen auf den heißen Stein? „Es scheint so“, meint Louis Lufua. „Aber ohne diesen Tropfen haben auch diese 50 Kinder keine Chance“. Mit Hilfe der Fastenaktion der Diözese und 30.000.- Euro konnte bereits vieles erreicht werden. Einer Gruppe von Freunden unterstützt sein Engagement in Kinshasa regelmäßig. Für viele Kinder ist der Schulbesuch eine neue Zukunftsperspektive und ein erster Schritt, den Teufelskreis der Armut zu durchbrechen.
Wenn Louis wieder im Zentrum „Lutondo" auftaucht – manchmal mit seiner Frau Irma und Bekannten – dann „ist das wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag auf einmal“, sagt er. Denn dann gibt es für die Kinder Essen, Kleidung, Schulgeld – und eine Cola. Und für kurze Zeit keine Sorgen, aber das Bewusstsein, dass es Menschen gibt, die sie nicht im Regen stehen lassen.