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Ein „österliches Requiem“ für Abt Clemens

„Es war der ausdrückliche Wunsch des Verstorbenen, dass die Feier österlichen Charakter hat“, erklärte der Göttweiger Prior P. Columban Luser zu Beginn des Requiems für den verstorbenen Abt Clemens Lashofer am Dienstag in der Stiftskirche von Göttweig. An der Trauerfeier die der Linzer Altbischof Maximilian Aichern leitete, nahmen mehr als 60 Bischöfe, Äbte und Ordensobere teil. Unter den Konzelebranten waren Abt Richard Yeo als persönlicher Vertreter von Aptpräses Notger Wolf, Weihbischof Anton Leichtfried sowie Diözesanbischof Klaus Küng, der die Einsegnung vornahm. Küng unterbrach dafür seien Urlaub in Vorarlberg: „Das ist ein sehr wichtiges Zeichen für uns“, betonte P. Columban.
Als „edlen und aufrichtigen Charakter“, der in seinem bewegten Leben und in seiner 36 Jahre währenden Amtszeit "mit Umsicht und Weitblick Gutes gewirkt" hat, würdigte Altbischof Aichern, Vorgänger von Abt Clemens als Abtpräses der Österreichischen Benediktinerkongregation, den Verstorbenen. In einer sehr persönlich gehaltenen Predigt beim Requiem betonte Aichern am Dienstag in der Stiftskirche Göttweig, Lashofer habe „wie der gute Hirte“ gehandelt: „ausgerichtet auf Wahrheit und Barmherzigkeit“. Aichern: „Er war eine lebendige Verkörperung der Richtlinie des Heiligen Benedikt, der Liebe zu Christus nichts vorzuziehen“.


Aichern erinnerte in seiner Predigt an die zahlreichen Höhepunkte des Wirkens Lashofers, wie etwa die Festigung der klösterlichen Gemeinschaft, die monastische Formung des Konvents, vor allem der vielen Neueintritte, die würdige Feier der Liturgie im Sinn des Zweiten Vaticanums, die Öffnung des Stiftes als Ort der Begegnung sowie die Renovierung und Neugestaltung der Klosteranlage. In Lashofers Amtszeit fielen außerdem das 900-Jahr-Jubiläum des Stiftes im Jahr 1983, die Errichtung des Exerzitienhauses St. Altmann sowie die Eröffnung des bis heute stark frequentierten Jugendhauses. In all seinem Tun sei Lashofer stets „vom benediktinischen Geist und von gesunder Menschlichkeit getragen“ gewesen, so Aichern.


Gewiss sei auch in Lashofers Dienst „nicht alles glatt gegangen“. So erinnerte Aichern etwa an die vom verstorbenen Abt im Zug der „Causa Groer“ selbst gewünschte Apostolische Visitation. Diese Visitation habe jedoch „sein Handeln in Geradlinigkeit und Barmherzigkeit gut geheißen und das Vertrauen der Mitbrüder bestätigt“. Den letzten Teil seines Lebensweges habe Abt Lashofer als Zeit der Vollendung begriffen, so Aichern. Er selbst habe noch am Tage des Todes von Abt Lashofer mit diesem beten dürfen, erinnerte der Linzer Altbischof. Die letzten Worte des Abtes seien schließlich gewesen: „Es wird alles gut“.


Fürnsinn: Abt Clemens war auch „widerständig“


„Wir sind für die Tätigkeit von Abt Clemens sehr dankbar“, sagte Propst Maximilian Fürnsinn in seiner Funktion als Vorsitzender der Österreichischen Superiorenkonferenz, „denn er hat stets über die Grenzen seines Klosters hinausgeschaut.“ Lashofer sei „in jeder Hinsicht authentisch“ gewesen und habe auf vielen Gebieten Maßstäbe gesetzt, so Fürnsinn. In allem sei das „benediktinische rechte Maß“ zu spüren gewesen. Besonders jedoch seine Offenheit habe die Atmosphäre geprägt und mache „ein gutes Stück des Weges unserer Klöster“ aus, betonte der Herzogenburger Propst.
So sehr Abt Clemens treu zur monastischen Tradition stand, sei er doch auf die Zukunft orientiert gewesen, erinnerte Fürnsinn: „Du hast dem Zukunfts-Christus getraut – er war die Schwungmasse all deiner Überlegungen.“


Abt Clemens sei auch „widerständig“ gewesen, wenn es um den „aufrechten Weg der Kirche“ gegangen ist. Er habe jedoch „für diesen notwendigen Widerstand auch die Rechnung bekommen“, bemerkte Fürnsinn zur Haltung Lashofers in der „Causa Groer“. Einiges Unaufgelöste nehme er, Lashofer, mit ins Grab: „Ein anderer wird es heilen.“


Pröll: Lashofers Verdienst ist „Öffnung“ des Stiftes


„Mit dir geht ein großer Seelsorger und ein großer Niederösterreicher“, würdigte Landeshauptmann Erwin Pröll den Verstorbenen. Abt Clemens habe „Großartiges“ für das Stift Göttweig getan – und davon ausgehend für das ganze Land Niederösterreich. „Clemens“ bedeute „der Sanftmütige“, so Pröll, und durch diese Sanftmut habe Lashofer – nach einem asiatischen Sprichwort – nicht nur seinem eigenen Leben, sondern vielen Menschen „Glück gebracht“.


Pröll hob besonders die „Öffnung“ des Stiftes in den dreieinhalb Jahrzehnten des Wirkens Lashofers als Abt hervor. Göttweig habe sich in dieser Zeit nicht nur als touristischer Anziehungspunkt etabliert, sondern ebenso als kulturelles Zentrum und als „europäischer politischer Kristallisationspunkt“. Darüber hinaus sei das Stift für Niederösterreich zu einem geistigen und religiösen Zentrum geworden, betonte der Landeshauptmann: „Dahinter steht die charakterliche Kapazität des Abtes.“ Nur durch dessen „Offenheit“ seien diese Entwicklungen möglich gewesen.


Der „Göttweiger Berg“ habe Symbolcharakter für Lashofers Lebenswerk, sagte Pröll: „Ausblick, Überblick und das Heben des Blickes, um die Sorgen des Alltags zurückzudrängen.“ Abt Clemens habe ein Gefühl dafür gehabt, dass sich zahlreiche Menschen nach Ruhe, Einkehr, Begegnung und Sinngewinn“ sehnten.


Schließlich habe Abt Clemens auch durch sein „menschliches Vermächtnis des Zusammenlebens“ Glück vermittelt. In der heutigen Zeit werde Selbständigkeit und Freiheit oft missverstanden, was zu Egoismus und Verantwortungslosigkeit führe, erklärte Pröll. Letztere seien „Gift für die Gesellschaft“. Lashofer habe sich „durch sein Vorbild entschieden gegen dieses Gift gestellt“.


Nach dem Requiem und der Einsegnung des Leichnams in der Stiftskirche wurde der Sarg in einer Prozession auf den Konventfriedhof geleitet, wo Prior P. Columban Luser die Beisetzung leitete. Mit in den Sarg gelegt wurde eine Kopie der Mariazeller Muttergottes, zu der Abt Clemens zeitlebens eine besonders enge Beziehung hatte.


Unter den Trauergästen waren neben den Verwandten und Freunden des Verstorbenen auch der Linzer Bischof Ludwig Schwarz, Militärbischof Christian Werner, die Wiener Weihbischöfe Helmut Krätzl und Franz Scharl sowie der emeritierte Passauer Diözesanbischof Franz Xaver Eder. Auch der emeritierte St. Pöltner Weihbischof Heinrich Fasching war anwesend. Außerdem nahmen an dem Begräbnis die Äbte bzw. Pröpste fast aller österreichischen Stifte sowie führende Persönlichkeiten anderer Ordensgemeinschaften teil.