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Drei Brüder als Mesner

Stefan, Karl und Johann Kronberger sind drei Brüder. Sie haben noch etwas gemeinsam: sie sind seit vielen Jahren Mesner – allerdings in verschiedenen Pfarren. Auch ihr Vater war schon in seinem Heimatort Kollmitzberg bei Amstetten, einer Pfarre mit 678 Katholiken, Mesner. Vater Kronberger war Mesner, bis er in die Deutsche Wehrmacht einberufen wurde. 1942 erfolgte der letzte Heimatbesuch, später galt er in Stalingrad als vermisst. In Zeiten seiner Abwesenheit übernahm die Mutter Anna einige Mesnerdienste, etwa Kirchenreinigung oder das Gebet-Läuten. Nach dem Krieg übernahm ein Landwirt die Mesner-Tätigkeiten. Zu dieser Zeit waren Stefan, Karl und Johann Kronberger – die jüngsten drei der insgesamt fünf Brüder - Ministranten.

Bruder wird „Nachfolger“

1956 wurde Stefan Mesner in der Wallfahrtskirche Kollmitzberg. Nach zehn Jahren heiratet er aus dem Ort weg. Sein Nachfolger in diesem Dienst wird sein Zwillingsbruder Karl, der diesen seit 42 Jahren bis heute ausübt. Nach fünf Jahren Pause steigt Stefan 1971 wieder als Mesner ein, jetzt in der Pfarre Winklarn nahe bei Amstetten. Auf Wunsch von Pater Gmeiner, der Stefan vorschlug Diakon zu werden, leitet er seit 1975 in bewährter Weise Wortgottesdienste. 1998 erklärt sich auch der Jüngste der Kronberger’s – Johann - zum Mesneramt bereit: Seitdem leistet er in der Amstettner Stadtpfarre St. Stephan seinen Dienst.

Interesse ist wichtig

Für alle drei war aber von Anfang an klar: Die jeweilige Ehefrau musste ihr Einverständnis zu diesem Dienst geben. Denn schließlich geht ein Mesner mit der Übernahme dieses Amtes auch eine Verbindlichkeit ein. Die Regelmäßigkeit des Dienstes erfordert eben auch öfter ein Zurückstellen der eigenen Interessen. Ein Sonntagsausflug kann dann eben erst nach dem letzten Gottesdienst beginnen. „Das wichtigste sei aber, dass man selber Interesse am Mesnerdienst hat.“ so Stefan.
Johann hat in der Kirche ein kleines „Fundbüro“ eingerichtet. Dort können sich die KirchenbesucherInnen vergessene Gegenstände wie Brillen abholen. „In der Kirche bleibt öfter etwas liegen. Wichtig ist aber, dass diese Gegenstände in der Kirche zur Abholung bereit liegen, nicht in der Sakristei.“ so Johann, der heuer zu seinem 70. Geburtstag während eines Gottesdienstes öffentlich gratuliert wurde und Applaus erntete. Dies sei eine Anerkennung, über die er sich sehr gefreut habe.
Auch Karl wurde zum 70er vor zwei Jahren in der Kirche öffentlich gratuliert. Dazu wurde eine eigene Glocke gegossen – ein Geschenk, das einen Ehrenplatz einnimmt. Karl sieht die Beziehung zum Seelsorger nüchtern: „Wie man zum Priester steht, so steht auch der Priester zu dir.“

Bei vielen Priestern „gedient“

Johann und Karl haben im Rahmen ihrer Tätigkeit mit jeweils zwei Ortspfarrern zusammen gearbeitet, Stefan musste sich öfter neu einstellen: Insgesamt neun verschiedenen Pfarrern und Kaplänen hat er in seiner Tätigkeit seit 1956 „gedient“. Und seit vielen Jahren engagiert sich Stefan auch im Vorstand der Berufsgemeinschaft der katholischen MesnerInnen in der Diözese St. Pölten. Und für ihn ist es eine Selbstverständlichkeit, bei der jährlichen Mesner-Wallfahrt „aktiv“ zu sein. So trägt er bei diesen Wallfahrten immer das Kreuz und übt während des Gottesdienstes den Mesnerdienst aus.

Ideen muss man haben …

Johann hat ein besonderes Erlebnis in Erinnerung: „Ich wollte alles ein bisserl bequemer machen. Mit den Aufhängern für die Messgewänder war ich unzufrieden, weil diese direkt vor dem Ein-Aus-Schalter für die Mikrofone in der Kirche hingen. Also montierte ich ein Gestänge direkt über dem Nachtspeicherofen in der Sakristei. Die erste Reaktion des Pfarrers war aber, dass ihm das nicht gefällt.“ Johann aber vollendete sein Werk und bot dem Pfarrer einen Rückbau an, falls es ihm wirklich nicht gefallen sollte. In der nächsten Woche kam ein Priester aus der Nachbarpfarre Herz Jesu und zelebrierte gemeinsam mit dem Ortspfarrer den Gottesdienst. Dieser lobte das neue Gehänge und war begeistert, weil er in der kalten Jahreszeit ein vorgewärmtes Messgewand anziehen konnte. „Das war für mich eine Genugtuung. Ab diesem Zeitpunkt durfte ich vieles verändern und verbessern.“ schmunzelt Johann Kronberger heute.

Alle drei sind sich aber einig. Den Mesnerdienst erfüllen sie mit Freude, die Tätigkeit sei eine Bereicherung für ihr Leben. Und sie sind stolz darauf, ihre Aufgaben so zu erledigen, dass sich die ganze Pfarrgemeinde auf sie verlassen können.

Michael Scholz