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Heilige Öle: Die Chrisammesse im Detail

Fotos: Mag. Florian Feuchtner

St. Pölten, 17.4.2019 (dsp/kb) Die Chrisammesse ist eine Eucharistiefeier kurz vor Ostern. Besonders daran ist, dass der Bischof die heiligen Öle für die gesamte Diözese weiht – und auch direkt im Anschluss in alle Dekanate und damit an die Priester vor Ort ausgeteilt werden.

Die Messe ist durch einen eindrucksvollen Ritus gekennzeichnet: Große Gefäße mit Olivenöl und eine Schale wohlriechenden Balsams werden durch den Bischof geweiht. Die Öle sind bei viele sakramentalen und stärkenden Handlungen der Kirche notwendig: Bei Taufe und Firmung finden sie ebenso Einsatz wie beim Stärken von Kranken, es werden Altare geweiht, Priestern die Hände gesalbt, aus Priestern werden damit Bischöfe.

Öl und Salbung

Öl, so wie viele andere Gegenstände in Weihehandlungen, ist ein Geschenk nahe am Leben der Menschen, so wie es Brot, Wein, Wasser oder Weihrauch sind. Die Kirche orientiert sich hier am Leben Jesus und nimmt „einfache Dinge“ aus dem Leben der Menschen, und damit die Gaben des Schöpfers, die auch unseren Alltag bestimmen. Erst durch heiligende und heilende Handlungen werden diese so zu Zeichen der Liebe Gottes zu uns Menschen. „Christus“ heißt „der Gesalbte“, „Chrisam“ heißt „Salbe“. Öl und Salbung gehören damit untrennbar zusammen. Durch die Weihe wird aus einem lebensnahen Produkt ein wirksame Gnadengabe Gottes. 

Es gibt drei verschiedene Öle, die im Seelsorgedienst der Kirche eine jeweilig unterschiedliche Bedeutung haben: Das Chrisamöl, das Katechumenenöl und das Krankensalbungsöl sind jene drei heiligen Öle, die in der Chrisammesse für das ganze Jahr und die ganze Diözese geweiht werden. Während Katechumenen- und Krankensalbungsöl auch von Priesten geweiht werden dürfen, steht die Chrisamweihe allein dem Bischof zu.

Das Chrisamöl ist ein konsekriertes Öl, das bei sakramentalen Handlungen als sinnliches und wahrnehmbares Zeichen zum Einsatz kommt. Im Gegensatz zu den anderen Ölen ist dem Chrisam ein angenehm duftender Balsam beigemischt. Wer also gesalbt ist verströmt „Christi Wohlgeruch“ (2 Kor 2,15). Verwendet wird das Chrisam bei der Taufe (Scheitelsalbung), bei der Firmung (Salbung der Stirn), bei der Priesterweihe (Handflächen), bei der Bischofsweihe (Haupt), bei der Kirchweihe (Apostelkreuze) und bei der Altarweihe (Kreuz in der Altarplatte, an den vier Ecken sowie in der Mitte), außerdem bei der Glockenweihe und der Weihe eines Messkelchs.

Das Katechumenenöl, von dem es bei der Chrisammesse heißt, es möge uns „heil und kräftig machen, um gegen den Ansturm feindlicher Mächte gerüstet zu sein“, ist jenes Öl, das in Vorbereitung auf das Sakrament der Taufe den Taufwerbern vorbereitend angelegt wird.

Das Krankensalbungsöl ist, wie der Name sagt, für die Spendung der Krankensalbung bestimmt. Es verbindet in schweren, angstvollen, unsicheren und sorgenvollen Zeiten kranke Menschen auf innigste Weise mit Jesus Christus, der für uns schwere Wege gegangen ist. Krankheit und Sorge erhalten dadurch eine neue Dimension und Qualität, und Menschen werden in ihrem Sein gestärkt.

Duft und Überfluss

Die Kostbarkeit der Öle wird im Evangelium unterstrichen. „Wozu diese Verschwendung?“, fragen Umstehende, als eine Frau Jesus wertvolles Öl über die Haare gießt. Die Öle sollen nicht sparsam eingesetzt werden, sondern sie sollen fließen (Psalm 133,2: "Das ist wie köstliches Salböl, das vom Kopf hinabfließt auf den Bart..."), und nicht sparsam eingesetzt werden.

Die Chrisammesse in der Diözese St. Pölten

Die Chrisammesse wird am Mittwoch vor dem Gründonnerstag im Dom St. Pölten von Bischof Alois Schwarz unter Beisein von Domkapitularen, Äbten, Kanonikern, Dechanten und Priestern aus allen Dekanaten sowie vielen Firmlingen der Diözese gefeiert. Es werden ca. 40 Liter Öl geweiht. Das dazu verwendete Olivenöl stammt aus dem Heiligen Land und wird dort von christlichen Herstellern bezogen. Damit werden Christen im Nahen Osten unterstützt.

In der Chrisammesse wird erneut die Einheit der Priester mit dem Bischof deutlich, es ist auch eine Erneuerung des Versprechens der Gemeinschaft der Kirche. Vor vielen Jahren ist man deshalb dazu übergegangen, die Messe nicht am Gründonnerstag, sondern kurz davor zu feiern, um vielen Geistlichen und Priestern das Mitfeiern zu ermöglichen.

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Fotos: Mag. Florian Feuchtner