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10. Kardinal König-Gespräch im Pielachtal: Dürfen wir alles, was wir können?

10. Kardinal-König-Gespräche in Kircheberg/Pielach

Kirchberg, 27.08.2017 (dsp) Mit den Kardinal König-Gesprächen sollte das große geistliche Erbe des im Pielachtal geborenen Franz König (1905-2004) weitergeführt werden. Die Organisatoren freuten sich, dass das Interesse an den hochkarätigen Gesprächen bei der Jubiläumsveranstaltung heuer nochmals gesteigert wurde, die große Kirchberghalle in Kirchberg war voll. Man sei mit der Themenauswahl immer am Puls der Zeit gewesen, war der Tenor. Der renommierte Theologe, Gynäkologe, Ethiker und Wissenschaftler Prof. Johannes Huber referierte, Thema war heuer „Mensch und Schöpfung“. Bei der Veranstaltung war die Frage im Zentrum: Dürfen wir alles, was wir können?

Das Gespräch zwischen Wissenschaft und Religion sei Kardinal König ein großes Anliegen gewesen. Keine Frageverbote dürfe es dabei geben. Wissenschaft könne nicht zum letzten Wissen, aber auch die Religion könne Gott nicht beweisen, man sei aufeinander angewiesen. Es sei Kardinal Königs große Kunst gewesen, schwierige Sachverhalte so zu erklären, dass sie jeder verstehen habe können. Die ethischen Herausforderungen seien groß und die Einflussnahmen von Lobbyisten ebenso. Heute würden Ethiker berichten, dass einzelne in der EU-Hauptstadt wirken, aber zugleich Tausende Lobbyisten von Konzernen arbeiten.

Im Pielachtal gebe es große Freude über das Weiterleben eines Weltgeistes: Intellektuell und spirituell. Kirchberg und Rabenstein fühlen sich diesem Geist weiter verbunden. Viele hochkarätige Referenten, die meist in Verbindung zum Kardinal standen, konnten durch dessen langjährige Mitarbeiter Prof. Heinz Nussbaumer und Annemarie Fenzl gewonnen werden: vom Wiener Weihbischof Helmut Krätzl über den früheren Caritas-Präsidenten Franz Küberl bis hin zum bekannten Europa-Politiker Othmar Karas. Der Erfolg sei außerdem mit dem Namen Gottfried Auer verbunden, dem engagierten Obmann des Kardinal König-Vereins.

So begründeten die Veranstalter die Einladung Hubers: Huber stehe exemplarisch für das Aneinandergebundensein der Wissenschaften. Er sei Forscher an den „Grenzen des Menschen“: am Beginn und Ende des Menschen. Dort wo Menschen Gott spielen wollen: diese Hybris habe er gut erkannt, hieß es. Huber war zehn Jahre lang Sekretär von Kardinal König. Beeindruckt habe Huber, wie Franz König aus einfachsten Verhältnissen stammend, später mit den intellektuellsten Kreisen gesprochen habe.

Laut Huber sei es eine schwierige Frage: Wir sollen uns laut Bibel die Erde untertan machen und andererseits überschreiten wir die Grenzen. Wo sind die Grenzen? Eine Grenze seien die Gesetze und Verfassung der Natur, die über viele Jahre Sinn gemacht hätten. Eine weitere Grenze sei, wenn der Fortschritt auf Kosten des Nächsten gemacht werde. Vor 8000 Jahren sei es zu einer großen Erderwärmung gekommen: So konnten sich plötzlich Gras und Weizen ausbreiten, die viele Kohlehydrate enthielten, die für die Entwicklung des Gehirns wichtig waren: dies brachte viele Fähigkeiten für das Gehirn und sei gut für Schwangere gewesen. Übrigens: durch den guten, permanenten Zugang zu Nahrungsmittel könnte eine weitere Revolution in der Entwicklung des Menschen bevorstehen. Bereits jetzt sei festzustellen, dass die Kinder klüger und größer würden. So machten sich die Menschen vor tausenden Jahren Gedanken, welche Regeln es galt einzuhalten: diese sind etwa im Kodex Hammurabi oder in den Zehn Geboten enthalten. Damals wurden also erstmals Grenzen gesetzt, um das Zusammenleben zu gewährleisten. Heute gebe es tagtägliche Überschreitungen: Dürfen wir alles, was wir können? Dürfen wir alles, was Spaß macht?

Sollen wir die biologische Verfassung der zweigeschlechtlichen Sexualität wirklich verlassen? Sollen wir die Jugend wirklich hedonistisch erziehen? In der Bibel habe Sexualität einen interpersonalen Charakter und diese sei gut für die Solidarität zwischen Ehepartnern. Berührt werden vom anderen Geschlecht, sei positiv. Vieles werde dabei vom Aufklärungsunterricht oft nicht wahrgenommen. Es müsse weiters im Aufklärungsunterricht stärker berücksichtigt werden, dass Jugendlichen der Faktor Treue sehr wichtig sei. Mutter Natur habe ein Zauberwerk entworfen, das der Partnerschaft diene und das müsse man auch jungen Menschen sagen. Ebenso, dass durch die Schwangerschaft die Verbindung zwischen Mann und Frau gefestigt werde.

Beim „Big Business“ künstliche Befruchtung müsse man auf negative Folgen wie Missbildungen oder auf das vierfach höhere Risiko von Eierstockkrebs hinweisen. Mit diesen Techniken solle man sorgsam umgehen, appelliert Huber. Viele Aspekte würden ausgeblendet oder nicht registriert.

Eizellenspenden seien manchmal zu akzeptieren, aber es sei auch hier ein Problem, nicht auf die Gefahren hinzuweisen. Viele Eigenschaften des künftigen Menschen könnten schon analysiert und ein Leben nach Maß geschaffen werden. Huber wolle nicht alles verdammen, aber man müsse auf die vielfältigen Gefahren hinweisen, die der Öffentlichkeit oft gar nicht bekannt seien.

Der renommierte Wissenschaftler warnte vor der Gewöhnung an den Gedanken des Tötens: ob ungeboren oder am Lebensende. Beispiele: Embryonen werden vernichtet. Oder: Teils werde in manchen Weltgegenden schon gefragt: Warum brauchen wir die Alten? Gleichzeitig verspreche die Wissenschaft künftig eine noch höhere Lebenserwartung. Hier könnte es bald einen Durchbruch geben, da jugendliche Zellen im Alter wieder aktiviert werden. Stammzellen könnten wieder so aktiviert werden, dass sich die Organe regenerieren. Weltkonzerne wollen den Alterungsprozess stoppen. Das letzte Buch der Bibel, die Apokalypse, gebe eine Warnung: Viele glauben, etwas Gutes zu tun, aber sie tun das Gegenteil.

Würdigung von Kardinal König

Kardinal König sei ein besonderer Niederösterreicher gewesen, der in der ganzen Welt zuhause gewesen sei, betonte der niederösterreichische Landtagsabgeordnete Martin Michalitsch. Das Pielachtal sei stolz auf ihn: er sei weltoffen und zugleich bodenständig gewesen. Der Erzbischof habe bei vielen Menschen Spuren hinterlassen. Sein Dialog mit den Religionen sei aktueller denn je“, so Michalitsch. Jetzt werde schon intensiv nach einem weiteren hochkarätigen Referenten gesucht, berichten die Bürgermeister von Kirchberg und Rabenstein.

Weiters wurde der langjährige Mitorganisator August Blaźić gewürdigt. Er geht als Pfarrer von Kirchberg mit September in Pension.

Kardinal König-Gespräche in Gedenken an legendären NÖ-Kirchenmann

Seit 2008 sind die Pielachtal-Gemeinden Rabenstein und Kirchberg abwechselnd Schauplatz des Treffens. Mitveranstalter der Gespräche ist der Verein "Kardinal König - Glaube und Heimat im Pielachtal". Kardinal König wurde am 3. August 1905 im Rabensteiner Ortsteil Warth geboren und am 5. August in der Rabensteiner Pfarrkirche getauft. Er besuchte die Volksschule in Kirchberg an der Pielach, von wo aus ihn sein Weg in die Weltkirche führte.

Die Kardinal König-Gespräche starteten mit einem Gottesdienst in der Kirchberger Pfarrkirche. Am zweiten Tag, Sonntag, 27. August, wurde das Kirchweihfest in der Pielachtaler Gemeinde gefeiert.