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Abtweihe in Zwettl: Bischöfe betonen seelsorgliche Bedeutung der Stifte

Abtbenediktion von Johannes Maria Szypulski

Zwettl, 28.08.2017 (dsp) Pater Johannes Maria Szypulski wurde zum Abt von Stift Zwettl geweiht - nachdem ihn der Konvent am 29. Mai gewählt hat. Weihespender des gebürtigen Polen war der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng, die Festpredigt hielt der Wiener Weihbischof Stephan Turnovszky. Viele Festgäste aus den umliegenden Stiftspfarren, aus den Ordensgemeinschaften und aus Politik und Kirche kamen zur Feier. Die anwesenden Bischöfe betonten die Bedeutung der Stift für die Seelsorge.
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Bischof Klaus Küng sagte, der neue Abt sei ein Grund zur Freude, der schon zuvor als Administrator großen Einsatz gezeigt habe. Er danke den Stiften und Klöstern für ihr wichtiges seelsorgliches Wirken. Das Zisterzienserstift Zwettl habe für das Waldviertel und für die ganze Diözese große Bedeutung, so Bischof Küng. Es brauche die Wirksamkeit der Stifte, umgekehrt bitte auch er um das Gebet für das Stift und seine Ordensleute. Wenn diese gütige Vorbilder seien, seien sie auch anziehend für junge Menschen und Berufungen.

Bei der Abtweihe wurde auch dem Apostolischen Nuntius in Österreich, Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, zum Geburtstag gratuliert. Dieser dankte Altabt Wolfgang Wiedermann und überreichte ihm eine hohe päpstliche Auszeichnung für dessen 20-jähriges Wirken. Das „Klösterreich“ hierzulande gebe den Glauben weiter, die Stifte seien also ein wesentlicher Grund, warum die Kirche in Niederösterreich noch sehr aktiv sei. Ausdrücklich erwähnt er weiters die Großeltern, die den Glauben von Generation zu Generation weitertragen würden.

Weihbischof Stephan Turnovszky sagte in seiner Predigt, er kenne den neu geweihten Abt aus seiner Seelsorge-Zeit im Weinviertel. Der neu geweihte Abt sei engagiert, fröhlich und fromm. Dass er seine Funktion als Abt der Muttergottes geweiht habe, sei aus der Biographie nachvollziehbar. Nach einer schweren Geburt wurde er aus Dank von seiner Mutter selbst der Muttergottes geweiht. In Polen sei ihm die Priesterweihe aus gesundheitlichen Gründen verwehrt worden, darum sei er einst ins Stift Zwettl eingeladen worden und habe seitdem hier viele wertvolle Dienste geleistet. Auch der Wiener Weihbischof betonte die Bedeutung der Stifte für die Kirche hierzulande. Ein guter Abt ähnle einem Familienvater, der darauf achte, dass es den Mönchen gut gehe und der gut über sie spreche. Ein Abt müsse auch aufpassen, dass das spirituelle Leben im Haus nicht versickere – trotz der vielen Aufgaben. Allen Christen sei jedenfalls aufgetragen, sich um liebevolle Beziehungen zu kümmern, das mache die christliche Religion aus. Ein Mönch werde nur reich durch gute Beziehungen zu den Mitmenschen und zu Gott.

Am Festakt nahmen neben Erzbischof Nuntius Zurbriggen, den Bischöfen Klaus Küng, Anton Leichtfried und Stephan Turnovszky zahlreiche Äbtissinnen und Äbte teil. Auch viele Priester und Ordensleute, Abtpräses Maximilian Heim sowie Freunde des neuen Abtes aus Polen und Österreich waren dabei. Aus der Politik kamen u.a. Landesrat Ludwig Schleritzko. Das Stift lud anschließend die vielen Festgäste zur Agape. Die musikalische Gestaltung übernahm Stiftskapellmeister Marco Paolacci.

Neuer Prior und Subprior

Der neue Abt des Zisterzienserstiftes Zwettl, Abt Johannes Maria Szypulski, hat nach Befragung des Konventes die Posten des Priors und des Subpriors neu besetzt. Neuer Prior des Stiftes ist P. Bernhard Prem, geboren am 1. März 1964 in Zwettl, war vor seinem Klostereintritt als Zimmermann tätig. Nach seiner Profess 1993 und dem Studium der Theologie an der Hochschule Heiligenkreuz wurde P. Bernhard Prem am 30. Juni 2000 zum Priester geweiht.

Der neu ernannte Subprior P. Albert Filzwieser wurde am 21. August 1946 in Kleinzell, NÖ, geboren. Nach seinem Eintritt in das Zisterzienserstift Zwettl im Jahr 1965 empfing er nach dem Studium der Theologie am 1. August 1971 die Priesterweihe. In den letzten Jahren wirkte er als Seelsorger in Schweiggers.

Geschichte von Stift Zwettl

Stift Zwettl als das weltweit drittälteste durchgehend bestehende Zisterzienser-Kloster datiert auf das Jahr 1138 zurück, als der Kuenringer Hadmar I. durch eine Stiftung Mönchen aus Stift Heiligenkreuz die Errichtung eines ersten Klostergebäudes am Kamp ermöglichte. Die wirtschaftliche Basis des Stiftes im Waldviertel bildete die Kultivierung des Landes. 1159 konnte die erste romanische Klosterkirche geweiht werden, die im 14. Jahrhundert durch einen gotischen Kirchenbau ersetzt wurde.

Kriege und die Reformation bescherten dem Kloster im 15. und 16. Jahrhundert schwierige Zeiten. Im Barock setzte dann aber eine Periode der religiösen und wirtschaftlichen Erneuerung ein u.a. wurden die Stiftsgebäude vollkommen umgestaltet und die Kirche fertiggestellt und im Innern kostbar ausgestattet. Mit dem Kirchturm erhielt das Stift sein unverkennbares Wahrzeichen. Joseph Munggenast und Paul Troger gestalten den barocken Bibliothekssaal.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erfolgte im Rahmen der Josephinischen Kirchenreform eine weitgehende Veränderung des klösterlichen Leben, die Mönche wandten sich vermehrt der Seelsorge in den anvertrauten 15 Pfarren zu. Im 20. Jahrhundert überstand das Stift die beiden Weltkriege und die NS-Zeit weitgehend unbeschadet. Mit der Gründung des Bildungshauses in den 1920er-Jahren und der "Höheren Lehranstalt für Umwelt und Wirtschaft Yspertal" entstanden neue Arbeitsfelder in der Seelsorge.
Derzeit sind 18 Mönche im Stift Zwettl tätig. Sie leisten seelsorgliche Dienste in 17 Pfarren in der Umgebung. Unternehmerisch aktiv ist das Stift mit Betrieben in der Forst- und Teichwirtschaft. Letztere ist vor allem für die Zucht der Waldviertler Karpfen bekannt. Zum 875-Jahr-Jubiläum im Jahr 2014 war eine umfassende Klosterrenovierung abgeschlossen worden.